Dritter Vortrag
Ich habe öfter zwei Beispiele angeführt - ich könnte viele anführen -, aus denen wir sehen, wie der Christus wirkt in der menschlichen Seele, in dem, was also durch die historische Entwickelung der Menschheit durchgeht, von dem die Menschen aber nichts wissen können. Denn wahrhaftig, das, was der Kaiser Konstantin gewußt hat vom Christus-Impuls, als er selbst sich zum Christentum bekehrt hat und das Christentum zur Staatsreligion gemacht hat, war sicher herzlich wenig. Aber dadurch, daß Konstantin, der Sohn des Constantins Chlorus, des Blassen, den Sieg errungen hat über Maxentius, wurde in Rom der Anstoß zur Einführung des Christentums gegeben. Die ganze Einrichtung ist so, daß spezielle Kräfte zugrunde liegen, so daß überall dieser Christus-Impuls wirkt. Die Sibyllinischen Bücher wurden von Maxentius zu Rate gezogen. Sie gaben ihm die Auskunft - ich habe das zum Beispiel im Leipziger Zyklus vor einem Jahre erwähnt -, wie er es machen sollte gegenüber dem heranrückenden Heere des Konstantin. Aber auch einen Traum hatte er. Diesem Traum und den Sibyllinischen Büchern folgend, ging er mit dem Heer, das viermal stärker war als das Heer des Konstantin, aus der Stadt dem Konstantin entgegen, was nach allen Kriegsregeln ein Fehler war.
Cite:
GA 161/1915-01-30/p038 · edition original