Zwölfter Vortrag
Eine kleine Stelle aus den philosophischen Schriften Otto Liebmanns möchte ich Ihnen vorlesen, weil sie charakteristisch ist für einen Mann, der sein ganzes Leben hindurch sich abgemüht hat, zu ergründen, was der menschliche Gedanke ist, was die Gegenwart von ihm zu sagen vermag, wenn er sich stützt auf alle wissenschaftlichen Ergebnisse dieser unserer Gegenwart. Da sagt also Otto Liebmann: Es könnte jemand auf den Gedanken verfallen, in dem Hühnerei stecke nicht bloß Eiweiß und Dotter, sondern außerdem ein unsichtbares Gespenst darinnen; dieses Gespenst vermaterialisiere sich, und wenn es mit seiner Materialisierung fertig ist, sprenge es die Eischale mit dem spitzen Schnabel, laufe auf die Körner zu und picke sie auf.
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GA 161/1915-05-01/p008 · edition original