{"corpus":"steiner","locus":"GA 161/1915-05-01/p050","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Aber es kann der Mensch auch den umgekehrten Weg machen. Er kann mit dem, was in dem «Baby» Wollen steckt, in die Organisation so hineingehen, daß das Wollen zu einem Denken wird, während er sonst das Denken zum Wollen gemacht hat. Das ist die tiefere Begründung von dem, was ich vor einiger Zeit hier angeführt habe als den Unterschied zwischen Kopfhellschen und Bauchhellsehen. Beim Kopfhellsehen wird ein neues Ätherorgan gebildet, in dem man unabhängig wird von der Leibesorganisation. Beim Bauchhellsehen appelliert man an das Gangliensystem, appelliert man an dasjenige, was sonst unberücksichtigt bleibt. Daher sind die Ergebnisse des Bauchhellsehens flüchtiger als die gewöhnlichen Wacherlebnisse, sie haben keine Bedeutung für die Seelen, wenn diese durch die Pforte des Todes gehen. Alles was durch Kopfhellsehen gewonnen ist, hat eine geistige, dauernde Bedeutung auch für die ‚Seelen, welche durch die Pforte des Todes gegangen sind, hat mehr Bedeutung als das wache Tageserleben. Das, was durch Bauchhellsehen gewonnen wird, hat sogar eine noch geringere Bedeutung für das Leben nach dem Tode als das alltägliche wache Wissen. Jedes somnambule Hellsehen steht unter dem wachen Tagesbewußtsein, nicht darüber. Dagegen spricht gar nicht, daß allerlei poetische und sonstige Eigenschaften entwickelt werden können durch das Bauchhellsehen; weil in dem Augenblicke, wo dieses Bauchhellsehen eintritt, es wirklich die Gänglien sind, welche stets das Wollen in den physischen Leib hineingeben. Dadurch wird in den Ganglien die Tätigkeit des Ätherleibes zurückgehalten und strahlt zurück, und dadurch nimmt man dann wahr dasjenige, was man nicht durch das Gehirn wahrnehmen kann. Man kann dadurch Gedanken wahrnehmen, die man sonst durch das Gehirn nicht wahrnimmt; aber es bleibt doch eine untergeordnete Tätigkeit. Sie sehen, daß man scharf unterscheiden kann zwischen dem, was man als Kopf- und was man als Bauchhellsehen bezeichnet. Nun können Sie fragen: Wie unterscheide ich, ob ich Kopfhellsehen oder Bauchhellsehen entwickele? - Man kann nur sagen: Kopfhellsehen wird sich immer dann bilden, wenn man in unserem Menschheits-Zeitenzyklus dieses Hellsehen wirklich sucht auf dem Wege, wie er angegeben wird, durch Meditation und Konzentration, und wenn man alles ausbildet, was sich auf dem Wege der Meditation und Konzentration ergibt. Das Bauchhellsehen ist etwas, was sich nicht auf dem Wege der Meditation und der Konzentration ergibt. Das Bauchheilsehen beruht darauf, daß das Gangliensystem empfunden wird, und das kann durch die verschiedensten abnormen Verhältnisse des Lebens geschehen. Es ist bequemer, Bauchhellseher zu sein, weil es in gewissem Sinne von selbst kommt, während das Kopfhellsehen im strengsten Sinne des Wortes erworben werden muß. Darum ist es das beste, sich nicht zu sagen, wenn ein Hellsehen von selbst auftritt, man sei ein gottbegnadeter Mensch, dem etwas gegeben wird, was er nicht erworben hat; denn da ist es das beste, mißtrauisch zu sein. Man kann an einzelnen Beispielen zeigen, wie Bauchhellsehen entstehen kann. Kopfhellsehen wird auf keine andere Weise entstehen, als indem man fleißig und regelmäßig durch Meditation und Konzentration sich auf gewisse Stufen der Initiationsentwickelung bringt. Bezüglich des Bauchhellsehens will ich, weil es in einem etwas anderen Sinne als dies vorhin der Fall war, nicht ungefährlich ist, von diesen Dingen zu sprechen, einen der harmlosesten Fälle anführen, wodurch einer Bauchhellseher werden kann.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Zwölfter Vortrag","site_heading":null,"date":"1915-05-01","location":null,"word_count":515,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/161/1915-05-01/p050","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/161/1915-05-01/p050"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/161/1915-05-01/p050","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}