{"corpus":"steiner","locus":"GA 161/1915-05-01/p051","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Nehmen wir an, ein Mensch wächst unter solchen Bedingungen auf, daß sich in seiner Seele früh die Begierde entwickelt, sagen wir, im äußeren physischen Leben ein möglichst «hohes Tier» zu werden, wie Geheimrat, Hofrat, Staatsrat, wo es solche gibt. Nehmen wir also an, es wächst früh die Begierde: man will so ein Geheimer Hofrat oder Regierungsrat und so weiter werden. Daß man so etwas werden will, heißt: ehrgeizig sein. Dieser Ehrgeiz lebt in der Begierdennatur, kann brennen, furchtbar, in der Begierdennatur. Der Mensch macht sich nicht klar: Du willst Geheimer Hofrat werden; aber es brennt ihn seine Begierde, und er geht mit dieser brennenden Begierde durch die Welt und wächst heran mit seiner Begierde. Daher geschieht es, daß seine Begierde nicht immer regulär hineingeht in die physische Organisation. Etwas stört. Wenn einer Geheimer Hofrat wird, so wird er kein Bauchhellseher. Wenn er aber Geheimer Hofrat werden will und es nicht wird und mit dem brennenden Ehrgeize durch die Welt geht, der an ihm frißt und frißt, dann kann er es werden. Diese Begierde muß aber sehr stark sein. Da unter uns niemand ist, der Geheimer Hofrat werden will, so kann ich das alles wohl sagen. Wenn diese Begierde frißt und frißt, dann bleibt sie stecken im Organismus, und dann gewöhnt sich das Gangliensystem daran, zurückzuwerfen die Begierde, und es ist möglich, mit den zurückgespiegelten Begierden so Hellseher zu werden. Dadurch ist es dann möglich, daß, wenn er zum Beispiel wohnt in Berlin in Schönhauserallee 25, und ein anderer, der in Schönhauserallee 23 wohnt, Hofrat wird, er dieses Ereignis gerade durch das besonders ausgebildete Hellsehen wahrnimmt. Das rührt davon her, daß sein Gangliensystem besonders empfänglich gemacht worden ist durch die ihm innewohnende Begierde, Geheimer Hofrat zu werden. Und wenn ein anderer etwas anderes wird, was auch ungefähr in dieser Richtung liegt, so wird er gerade für solche Dinge ein feines, intensives Hellsehen entwickeln können.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Zwölfter Vortrag","site_heading":null,"date":"1915-05-01","location":null,"word_count":313,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/161/1915-05-01/p051","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/161/1915-05-01/p051"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/161/1915-05-01/p051","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}