Dritter Vortrag
Daher ist es so wichtig, daß wir nicht nur gedächtnismäßig uns möglichst viel Wissen aneignen von der geistigen Welt; das ist sogar das weniger Wichtige. Das Wichtigere ist, daß wir niemals ohne Liebe, niemals ohne das intensivste Interesse diese Angelegenheiten der geistigen Welt verfolgen. Wenn wir gleichgültig, bloß vielleicht um uns damit brüsten zu können oder aus irgendeinem anderen Grunde das Wissen aus der Geisteswissenschaft aufnehmen, wie wir so oft anderes Wissen der Welt aufnehmen, dann hat das gar keine Bedeutung. Das Wichtige ist der Grad von Liebe, von Sympathie für die geistige Welt, die wir uns aneignen. Das ist das Wichtige, das ist das Bedeutungsvolle. Und damit hängt es auch zusammen, daß bei uns versucht wird, die Ereignisse der geistigen Welt von so vielen Gesichtspunkten her darzustellen, immer wieder und wieder von anderen Gesichtspunkten her; denn dadurch werden wir immer mehr und mehr angeregt, tätig uns zu nähern den Erkenntnissen der geistigen Welt, und nicht zu der Sehnsucht zu kommen, dieses Wissen von der geistigen Welt ebenso aufzufassen, wie das Wissen von physischen Dingen. - Das ist eigentlich für den wirklichen Okkultisten das Fatalste: wenn die Sehnsucht in den Menschen entsteht, geistiges Wissen zu erlangen, wenn man aber dieses Wissen nicht auf eine andere Art zu erlangen wünscht als das physische Wissen.
Cite:
GA 162/1915-05-29/p027 · edition original