Dritter Vortrag

GA 162/1915-05-29/p037 ·1915-05-29 · original (original)
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Und wenn unzähliges Wissen aus der Geisteswissenschaft einmal an den Tag befördert sein wird: «Habe nun, Gottseidank! Philosophie, Juristerei und Medizin und, Gottseidank! auch Theologie, und selbstverständlich auch Theosophie durchaus studiert, und bin so weise wie nur möglich.» Das würde niemals die wahre Faust-Stimmung sein! Faust-Stimmung würde nur der haben, auf den zutrifft: «Nur der verdient sich Freiheit, wie das Leben, der täglich sie erobern muß.» Das ist die Stimmung, die im «Faust» liegt, die zugleich uns zeigt, wo die Impulse liegen, die aus der alten, eingefrorenen Kultur zu der neuen Kultur der Menschheit führen. Nimmer ruhen darf der Mensch, sich anderes, Neues anzueignen, und ich habe das auch innerhalb der geisteswissenschaftlichen Strömung vertreten, der wir angehören. Es war wirklich schrecklich, wenn man in der alten Gesellschaft immer wieder hörte: Ja, Schemen brauchen wir, und wenn ich dieses oder jenes darstellte, dann sollten möglichst an den Wänden Schemen und Tabellen hängen, daß man etwas hat, wodurch man sich erinnern kann. - Und die Leute waren unzufrieden, wenn man kam und im Grunde genommen wieder umkehrte das, was einmal da war, das, was festgelegt war; da das doch immer wieder neu erworben werden muß. Denn auf dieses nimmer rastende, nimmer ruhende Vorwärtsstreben kommt es an.

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