Dritter Vortrag
Wir durchdringen sofort alle Täuschung, indem wir uns für einen Vorhang und nicht für eine Realität halten, in dem Augenblicke, wo wir uns sagen: Du bist eigentlich nur das, was sich vor die wahre Welt hinstellt, und deine eigene Gestalt, das was du selbst bist, steht hinter der Gestalt, die du selber webest das Leben hindurch. - Wenn man sich diesen Tatbestand vor Augen hält, steht man in der Wahrheit. Dann hält man sich nicht für die Wirklichkeit, sondern nur für einen Vorhang. Davor aber fürchten sich die Menschen, sich für einen bloßen Vorhang zu halten. Sie möchten sich in dem, was sie sind, für eine Wirklichkeit halten. Daher können sie aber auch über die wichtigsten Dinge des Lebens zu keiner Klarheit kommen.
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GA 162/1915-05-29/p046 · edition original