Dritter Vortrag

GA 162/1915-05-29/p048 ·1915-05-29 · original (original)
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So müssen wir schon auch solche Dinge, wie sie heute berührt worden sind, so hinnehmen, daß wir wirklich uns immer mehr und mehr sagen: Für die Geisteswissenschaft müssen andere menschliche Gesinnungen innerlich aufgenommen werden, als man sie in der bisherigen Kultur hatte. Es muß ein viel größeres Streben nach fortwährender Betätigung unter Menschen aufkommen, nach Aktivität, nach Dabeisein. Das muß verschwinden, daß man sagt: Ich habe es erfaßt, ich kann es behalten und kann es durchs Leben tragen. - Wenn das verschwinden wird, dann werden auch alle anderen Dinge, die so hinderlich sind einem klaren Erkennen, verschwinden. Ich habe öfter darauf aufmerksam gemacht, wie die Menschen auch in der Wissenschaft sich die verworrensten Begriffe machen von dem, was wahr ist. So zum Beispiel werden Sie heute immer wieder lesen können in physiologischen Werken, daß der Mensch darum schläft, weil er im wachen Zustand dieses oder jenes durchmacht und davon ermüdet ist. Der Schlaf wäre also eine Folge der Ermüdung. Ich habe darauf aufmerksam gemacht, daß dann der Rentier, der nicht viel zu arbeiten braucht, auch kein Schlafbedürfnis haben müßte. Wenn man den Rentier aber hört, so wird man erfahren: Wenn man gar nichts tut, fühlt man sich am allermüdesten und man schläft ein, ohne daß man das Allergeringste getan hat. Daraus können Sie entnehmen: Die Ermüdung hat mit Schlaf, Schlaf hat mit Ermüdung nichts zu tun, hat ebensowenig damit etwas zu tun, wie der Tag mit der Nacht.

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Cite: GA 162/1915-05-29/p048 · edition original