Sechster Vortrag

GA 162/1915-07-17/p034 ·1915-07-17 · original (original)
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Sie sehen, was an Interessantem zugrunde liegt einem solchen Fortschreiten, einer solchen Wandelung eines Wortes durch die Zeiten hindurch. Ich möchte dies einmal an einem naheliegenden Beispiel zeigen. Nehmen wir zum Beispiel das Wort: \(ϑήρ\), dius, Tier. Das ist dasselbe Wort, nur zu verschiedenen Zeiten. Hier (griechisch) haben wir das Wort mit einem \(th\) \((ϑήρ)\); das würde dasselbe sein \((ϑ)\) wie unser \(s\), dasselbe wie das englische \(th\). Die Weiterentwickelung fände so statt, daß es die Tendenz hat, hier herüber zu gehen (gotisch): es würde aus dem \(th\) ein \(d\) werden; und wenn es sich weiter entwickelt, würde aus dem \(d\) ein \(t\) werden: es geht in das Ätherische hinein. Nun haben wir hier in der Tat \(ϑήρ\) (griechisch); ‚hier haben wir «dius» (gotisch) und hier haben wir «Tier» (deutsch). So ist das Wort im Griechischen \((ϑήρ)\), so ist das Wort im Gotischen (dius), so ist das Wort im Deutschen (Tier). Das ist dasselbe Wort, ganz dasselbe Wort. Im Griechischen lag es seinem Schwerpunkte nach im Physischen. Es hatte die Tendenz, herüber zu gehen ins Astralische in der nächsten Sprache, im Gotischen; es hatte die Tendenz herüber zu gehen ins Ätherische, wurde zum Worte «Tier» im Deutschen.

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Cite: GA 162/1915-07-17/p034 · edition original