Neunter Vortrag
Gestern sahen wir, wie gewissermaßen verteilt ist auf die weltgeschichtlichen Völkerströmungen dasjenige, was wir bezeichnen können als den fortlaufenden Fluß des sich entwickelnden Wissens, der sich entwickelnden Weisheit auf der einen Seite, und auf der anderen Seite das sich in einer gewissen Zeit mit dieser Weisheit vereinigen müssende Leben. Es ist dies ein Beispiel für die im Grunde genommen in ihren Konsequenzen erschütternde Tatsache von dem Zusammenwirken der verschiedenen Einseitigkeiten im Weltendasein, um ein Ganzes, um eine Harmonie hervorzubringen. Und ich habe schon darauf aufmerksam gemacht, wie bis in unsere Zeiten herein wahrzunehmen ist die Nachwirkung, sowohl auf der einen Seite des lebenlosen Wissensprinzipes, des altwerdenden Wissensprinzipes, wie auch auf der anderen Seite des wissenlosen Lebensprinzipes, das wie ein junger Trieb in der Entwickelung der Menschheit sich vereinigt mit dem aus Urzeiten heraufgebrachten und sich verstrohenden Wissensprinzipes.
Cite:
GA 162/1915-07-25/p003 · edition original