Neunter Vortrag
Das ist der Grund, warum die Wissenschaft so empfunden werden muß, als ob sie nicht heran könnte an das, was eigentlich in den Dingen lebt und webt, warum sie so erscheint, als ob man sich von dem Lebenden und Webenden tote Begriffe machte. Die Wissenschaft hat etwas Zusammentragendes, etwas, wobei man fühlt, man bleibt doch immer außerhalb des Lebens stehen, man kommt nicht hinein in das Leben. Alles, was die Philosophen von jeher geschwätzt - ich will sagen, philosophiert haben über die Grenzen des Wissens, über das Nicht-Hineinkommen in die Untergründe des Daseins, das rührt ja davon her, daß sie fühlten: unter dem, was man in Begriffe fassen kann, liegt das lebendige Leben, an das man nicht heran kommt aus dem Grunde, weil Luzifer an diesem Leben saugt und es für sich in Anspruch nimmt und so, mit anderen Worten, die Begriffe strohern, abstrakt macht.
Cite:
GA 162/1915-07-25/p030 · edition original