Neunter Vortrag

GA 162/1915-07-25/p041 ·1915-07-25 · original (original)
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Das Überhandnehmen dieser (Zeichnung b) Strömung hat wenig Interesse an dem unmittelbaren Zusammenhang des menschlichen Inneren mit dem Menschen in Christus, mit dem Jesus; sie sieht vielmehr auf dasjenige, auf das sie gewohnt ist zu sehen: auf das abstrakte Erfassen dessen, was draußen im Kosmos wirkt. Es strebt diese Strömung nach einer Christologie. Jene Strömung sieht vorzugsweise auf Jesus, diese vorzugsweise auf Christus. Die Wahrheit kann man nur erkennen, wenn man den Jesus Christus oder den Christus Jesus als Einheit auffaßt, wie das die Geisteswissenschaft tut, welche die beiden Einseitigkeiten zu überwinden sucht. Sie ist sich ebenso klar darüber, daß es ein kosmisches Wesen gibt, den Christus, der vor dem Mysterium von Golgatha außerhalb der Erdensphäre war und durch das Mysterium von Golgatha in die Erdensphäre hereinkam und dadurch der ganzen menschlichen Entwickelung einen anderen Impuls gab, so daß ein irdisches Geschehnis aus dem Kosmos herein vorbereitet worden ist, und sich weiterhin vollzieht; aber ebenso klar ist es, daß dieses Geschehnis innig zusammenhängt mit dem Jesus von Nazareth. Das heißt, man muß sich klar darüber sein, daß der Christus, wie er vor dem Mysterium von Golgatha war, nicht hätte hereintragen können jenes kosmische Geschehen in das irdische Geschehen ohne den physischen Menschenleib des Jesus, und daß er daher durchgehen mußte durch das Mysterium von Golgatha. Es war das notwendig, es kam darauf an, daß der Christus in dem Jesus das erlebte, was er in dem Jesus erlebt hat.

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Cite: GA 162/1915-07-25/p041 · edition original