{"corpus":"steiner","locus":"GA 163/1915-08-23/p005","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Wodurch Fritz Mauthner zu einer solchen Ansicht kommt, davon möchte ich Ihnen heute eigentlich nur ein Gefühl geben, das ich dadurch hervorrufen will, daß ich Ihnen eine Stelle vorlese aus Fritz Mauthners «Wörterbuch der Philosophie», das er später geschrieben hat als seine «Kritik der Sprache», und zwar eine Stelle aus der Abhandlung über das Wort «Zufall» ; denn wir werden ja gerade über «Zufall, Notwendigkeit und Vorsehung» zu sprechen haben. Sie können an der Stelle, die ich Ihnen vorlese, sehen, wie das Zeitalter des Materialismus über gewisse Dinge allmählich, ich möchte sagen, sprechen gelernt hat. Ich möchte, indem ich diese Stelle zunächst vorlese, in Ihnen weniger irgendein Theoretisches nach der einen oder anderen Seite anschlagen, sondern ich möchte, daß Sie Ihr Fühlen, Ihr Empfinden fragen, wie eben so etwas sich erleben läßt, was ein matetialistischer Philosoph der Gegenwart in einem solchen Zusammenhange sagt. Ich möchte, daß Sie sich ein Gefühl verschaffen von der Art, wie er spricht. Er sagt in dem Artikel «Zufall» : «Und es hieße wahrhaftig zum Kinde werden, das aus seinem Wunderknäuel die Überraschungen abwickelt, die ein gütiger Fabrikant hineingewickelt hat.» Er meint, wenn man so alles Zufällige ansieht, so hieße das zum Kinde werden, das wie aus einem Wunderknäuel die Überraschungen abwickelt, die ein gütiger Fabrikant hineingewickelt hat! «Wollte man nach Spinoza, Hume, Kant und Schopenhauer immer noch den lieben Gott bemühen... .», meint er. Wollte man die Welt so erklären, daß man dabei den lieben Gott bemüht, so gliche man heute dem Kinde, das von einem Wunderknäuel so nach und nach abwickelt dasjenige, was ein gütiger Fabrikant ihm in denselben hineingewoben hat. Es wickelt ab; da kommt ein Schönes nach dem anderen heraus. So also kommt einem, meint Mauthner, derjenige vor, der den lieben Gott bemüht, indem er ihn der Welt zugrunde legt, um die Welterscheinungen weisheitsvoll zu erklären. Und er redet in folgender Weise: «Wollte man nach Spinoza, Hume, Kant und Schopenhauer den lieben Gott bemühen, Schopenhauers alten Juden» - also, er nennt den lieben Gott «Schopenhauers alten Juden», weil schon die Bezeichnung «Gott der Christen» ihm unrichtig erscheint - «um diese Verwirrung von Zufall und Zweck zu entwirren.»","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Erster Vortrag","site_heading":null,"date":"1915-08-23","location":null,"word_count":355,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/163/1915-08-23/p005","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/163/1915-08-23/p005"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/163/1915-08-23/p005","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}