{"corpus":"steiner","locus":"GA 163/1915-08-28/p006","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Sie werden es erstaunlich finden, daß ich Ihnen gerade diesen Satz aus dem Artikel «Geschichte» von Fritz Mauthner anführe. Ich führe ihn an, weil in diesem Satz ein ehrlicher Mensch sich ehrlicherweise etwas gestanden hat, was die anderen, die weniger ehrlich sind, aus dem Untergrunde der heutigen wissenschaftlichen Gesinnung heraus sich eben nicht gestehen. Er hat sich gestanden: Mit den Mitteln, die wir haben, und die heute in der Wissenschaft gelten, kann man nicht unterscheiden die Tatsache, daß Cäsar gelebt hat, von der Tatsache, daß ich «in dieser Stunde eine Zigarre mehr rauchte als sonst». Man findet keinen Unterschied durch die Mittel, die die Wissenschaft heute gelten läßt! Nun stellt er sich positiv auf den Boden, keinen Unterschied gelten zu lassen, nicht so töricht zu sein, eine Geschichte aufzustellen als Wissenschaft, da es eine Geschichte als Wissenschaft nach den heutigen Voraussetzungen der Wissenschaft gar nicht geben kann. Er ist wirklich ehrlich; denn er sagt zum Beispiel, und zwar mit einem gewissen Recht, etwa das Folgende: Wundt hat ein Schema für die «Gliederung der Einzelwissenschaften» aufgestellt. Darin ist natürlich auch die Geschichte. Aber man findet eigentlich keinen objektiveren Grund, daß Wundt in seinem Schema der Wissenschaften auch die Geschichte angeführt hat, als daß es üblich geworden ist, das heißt, daß die zufällige Tatsache da ist, an den Universitäten für Geschichte eine ordentliche Professur zu haben. Würde man die Reitlehre zur ordentlichen Professur machen — so meint Fritz Mauthner von seinem Standpunkte aus mit Recht -, so würden Professoren wie Wundt auch das Thema der Reitkunst in einem Schema als «Wissenschaft» aufführen, nicht aus irgendeiner Notwendigkeit des heutigen wissenschaftlichen Begreifens heraus, sondern aus ganz etwas anderem heraus.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Dritter Vortrag","site_heading":null,"date":"1915-08-28","location":null,"word_count":275,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/163/1915-08-28/p006","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/163/1915-08-28/p006"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/163/1915-08-28/p006","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}