{"corpus":"steiner","locus":"GA 163/1915-09-04/p012","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Wie es sich mit der Erkenntnis gegenüber der Wirklichkeit verhält - nun, davon kann man einen echten, einen wahren Begriff doch nur erhalten, wenn man allmählich aufsteigt von der gewöhnlichen Erkenntnis des physischen Planes zu den höheren Erkenntnisarten. Und da wissen wir, daß die nächsthöhere Stufe des Erkennens die sogenannte imaginative Erkenntnis ist. Die imaginative Erkenntnis kann aber nicht, wenn sie mit der Wirklichkeit etwas zu tun haben soll, erworben werden durch unser Drinnenleben im physischen Leibe. Wir müssen in die Lage kommen, um wirklich imaginative Erkenntnis zu erwerben, absehen zu können von allem Angewiesensein auf den physischen Leib. Wir müssen so weit gekommen sein, den physischen Leib nicht mehr als Werkzeug zu gebrauchen. Den Ätherleib aber benützen wir noch als Werkzeug, wenn wir imaginative Erkenntnis suchen. Ja, daß die Imaginationen für uns wirklich gegenständlich werden, daß die Imaginationen da sind, das hängt davon ab, daß wir uns unseres Ätherleibes so bedienen können bei den Imaginationen, wie wir uns unseres physischen Leibes bedienen bei den Wahrnehmungen auf dem physischen Plan. Nun zeigt sich, wenn der hellsehend Erkennende so weit gekommen ist, daß er sich gewissermaßen mit seinem Seelischen herausgerissen hat aus seinem physischen Leibe und den Ätherleib als ein Werkzeug seines Erkennens benützt, daß das, was man sonst in der physischen Welt Erkenntnisse nennt, also namentlich Erkenntnisse, die dadurch gesucht werden, daß der Mensch nichts zu den Dingen hinzubringen will, auf dem physischen Plan zurückbleibt. Von dem, was zum Beispiel der heutige Naturforscher anstrebt, ist alles gewissermaßen abgelegt, zurückgelassen auf dem physischen Plan, wenn man den physischen Plan verläßt und in die Welt der Imaginationen aufsteigt. Nichts bleibt von dem, was der Naturforscher oder der Naturphilosoph von heute als eine Welt durcheinanderwirbelnder Atome denkt — die aber erträumt ist, die keine wahre Wirklichkeit ist, wie ich oft auseinandergesetzt habe -, nichts bleibt als die Bilder von dieser Welt. Das heißt, man wird gewahrt, wenn man den physischen Plan verlassen hat, daß man die auf dem physischen Plan zurückgelassenenen Vorstellungen von einer Welt durcheinanderwirbelnder Atome geträumt hat. Im übrigen kann man von den Erkenntnissen auf dem physischen Plan für die Welt der Imagination, in die man aufgestiegen ist, direkt nichts gebrauchen. Wohl gemerkt: Direkt kann man nichts gebrauchen. Wir werden dann schon sehen, wie sich die Dinge genauer verhalten, aber wir müssen stufenweise aufsteigen.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Sechster Vortrag","site_heading":null,"date":"1915-09-04","location":null,"word_count":383,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/163/1915-09-04/p012","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/163/1915-09-04/p012"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/163/1915-09-04/p012","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}