Siebenter Vortrag

GA 163/1915-09-05/p023 ·1915-09-05 · original (original)
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Nun können wir uns die Frage, die uns da interessiert, dadurch beantworten, daß wir die Geisteswissenschaft fragen: Was würde eintreten, wenn auf irgendeine Weise alle Menschen achtzig oder neunzig Jahre alt, also ganz alt werden könnten, wenn gar keiner jung stürbe, was würde dann eintreten? - Dann würden alle Ätherleiber, die von ihren Seelen verlassen würden, von liebevoller Weisheit durchsetzt sein. Es würden die Menschen auf der Erde in ihrem historischen Fortgang die Möglichkeit haben, während des physischen Lebens zwischen Geburt und Tod viel zu lernen auf der Erde, denn die physischen Leiber würden weisheitsvoll gestaltet werden. Die Menschen würden gewissermaßen undifferenziert geboren werden, einer wäre wie der andere, aber sie könnten sehr viel lernen auf dem physischen Plan. Ich möchte sagen, sie wären fein-weisheitsvoll gebaut und könnten sehr viel lernen hier auf dem physischen Plan. Allerdings würde ein solches Lernen verbunden sein mit einer außerordentlich labil sich haltenden Konstitution. Die Menschen würden gewissermaßen, weil alles so außerordentlich fein, ich möchte sagen, mechanistisch-weisheitsvoll in ihrem physischen Organismus gebildet wäre, ein labiles Gleichgewicht haben, aus dem sie leicht herauskommen könnten. Es würde einer viel lernen können, aber er würde furchtbar nervös werden, wie man heute im «nervösen Zeitalter» sagt. Es würde eine Menschheit sein, die immerfort zappelt und immerfort aus dem Gleichgewicht kommen würde, eine sehr für das Lernen auf dem physischen Plan begabte, aber recht zappelige Menschheit. Es ist besser, «zappelig» zu sagen als «nervös». Warum soll man die Dinge nicht so nennen, daß man das Richtige dabei fühlt? Denn, sehen Sie, als nervös hat man früher, noch vor ein paar Jahrhunderten, in ganz Europa einen Menschen bezeichnet, der stark, kräftig durchnervt war, der nervig war, der etwas aushalten konnte. Weil diese Menschen nicht mehr so den Ton angeben wie früher, so hat man dieses Wort für das gerade Gegenteil angewendet. Aber ausbleiben würde in der Menschheitsentwicklung, wenn alle Menschen alt werden würden, wenn keiner jung sterben würde, ausbleiben würde die seelische Differenzierung, die wir mitbringen, wenn wir aus der geistigen Welt in eine Inkarnation hereingehen. Das Anlagen-Haben, das gewissermaßen mit geistigen Gaben Ausgestattetsein, das würde ganz ausbleiben. Die Menschen würden sozusagen alle ziemlich gleich, undifferenziert in die Welt hereintreten, würden nur verschieden werden dadurch, daß sie auf dem physischen Plan in verschiedene Verhältnisse kommen und Verschiedenes lernen würden; sie würden sich in allen Verhältnissen ziemlich gleich zurechtfinden. Das Karma würde sie in das für sie besonders Geeignete durch die physischen Vererbungsmerkmale hereintragen. Im übrigen würde fehlen in der Welt gerade das, was wir als Veranlagtheit für besonderes Seelisches haben. Das Innere des Menschen in seiner Differenziertheit würde nicht da sein.

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Cite: GA 163/1915-09-05/p023 · edition original