Siebenter Vortrag

GA 163/1915-09-05/p030 ·1915-09-05 · original (original)
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Sie sehen, wie Geisteswissenschaft, wenn man sich wirklich in ihre Geheimnisse vertieft, ausmünden kann in lebendiges Fühlen und Empfinden. Wenn ein alter Mensch stirbt, so wissen wir durch die Geisteswissenschaft uns zu erheben zu dem Mysterium seines Todes in geistiger Beziehung. Denn wir sagen uns: alt werden die Menschen, damit die Entwickelung der Menschheit, insofern die physischen Leibeswerkzeuge gebraucht werden können, für alle Zukunft in der richtigen Weise vor sich gehe. Was wir an Früchten in der Erdenentwickelung der Menschheit haben, wir ahnen es voraus, wir empfinden es voraus bei jedem Tode eines älteren Menschen. Wenn wir auf uns wirken lassen das andere, was einen Einblick uns geben kann, wenn wir in die Zukunft blicken, so sagen wir uns: es muß allezeit in der Fortentwickelung der Menschheit besondere Anlagen geben; der eine muß zu dem, der andere zu jenem veranlagt sein; bis hinauf zu der Genialität, bis hinauf zu den genialen Menschen müssen die Veranlagungen da sein. Niemals könnte das sein, wenn nicht auch Menschen jung sterben müßten in der Welt! Und wenn wir aufblicken zu besonders genialen Menschen, so ist die Genialität verdankt der Tatsache, daß Menschen auch jung sterben müssen. So blicken wir zu dem Mysterium des Todes Jungverstorbener, indem wir uns sagen: Weisheitsvoll eingefügt in das ganze Gewebe ist auch der frühe Tod Jungverstorbener. Denn aus dem frühen Tode Jungverstorbener erstehen die Keime für die seelischen Anlagen, welche die Menschheit in ihrer Fortentwickelung braucht.

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Cite: GA 163/1915-09-05/p030 · edition original