Zweiter Vortrag

GA 164/1915-09-18/p015 ·1915-09-18 · original (original)
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Es ist sehr wichtig, daß wir auf dieses Gefühl achtgeben, wenn wit einen Begriff von der imaginativen Erkenntnis bekommen sollen; denn wir sind in der imaginativen Welt in dem Augenblicke, wo die Gedanken, die wir heraufholen aus dem Unterbewußten, anfangen zu kribbeln und zu krabbeln, anfangen so sich zu benehmen, daß wir das Gefühl haben: da unten, unter der Schwelle, da quirlt und wurlt ja eigentlich alles. Und während es da oben im Oberstübchen ganz ruhig ist und die Gedanken sich so hübsch beherrschen lassen, so wie Maschinen sich behertschen lassen, läuft da unten ein Gedanke dem anderen nach, da kribbeln und krabbeln, da quirlen und wurlen die Gedanken, da unten werden sie plötzlich eine ganz regsame Welt. Es ist wichtig, daß man sich dieses Gefühl aneignet, denn in diesem Augenblick, wenn man das Leben der Gedankenwelt zu fühlen anfängt, ist man in der imaginativen oder elementarischen Welt drinnen. Da ist man drinnen! Und man kann so leicht hineinkommen, wenn man nur die aller-, allereinfachsten Regeln befolgt, welche in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» gegeben sind; wenn man nur nicht versucht, auf dem Wege von allerlei in den letzten Tagen ja angedeuteten «Praktiken» hineinzukommen. Man kann wirklich so leicht hineinkommen. Denken Sie sich doch nur, daß als etwas vom allerersten in dem Buch «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» klar angegeben ist, man solle zum Beispiel versuchen, das Leben einer Pflanze zu verfolgen: wie sie nach und nach wächst, wie sie nach und nach wiederum vergeht. Ja, wenn Sie das wirklich verfolgen, so müssen Sie ja in Gedanken dieses Leben der Pflanze durchmachen. Da haben Sie zuerst den Gedanken des ganz kleinen Samenkorns und wenn Sie den Gedanken nicht beweglich machen, so kommen Sie ja der Pflanze nicht nach in ihrem Wachsen. Sie müssen den Gedanken beweglich machen. Und dann wiederum, wenn Sie die Pflanze sich entblättern, allmählich absterbend, abwelkend denken, dann müssen Sie sich wiederum das Zusammenschrumpfen, das Zusammenrunzeln denken. Sobald Sie anfangen, das Lebendige zu denken, müssen Sie den Gedanken selber beweglich machen. Der Gedanke muß durch Ihre eigene Kraft anfangen, innere Beweglichkeit zu bekommen.

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Cite: GA 164/1915-09-18/p015 · edition original