Dritter Vortrag

GA 165/1915-12-28/p025 ·1915-12-28 · original (original)
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Und denken Sie, was das alles schließlich ist. Es ist eigentlich etwas Ungeheures, wenn man so hinschaut auf das Kind. Ich habe in dieser kleinen Schrift darauf aufmerksam gemacht, wie wir in der Jugend gescheiter sind, wenn auch unbewußt gescheiter, weil wir unseren Leib erst nach und nach aufbauen müssen, was wir später nicht mehr können. Man ist gescheiter, man ist viel weiser, als man später ist, in dem inneren Durchdringen des Menschen, der menschlichen Wesenheit, aber man hat noch nicht Luziferisches. Indem man so innerlich arbeitet, wenn man Kind ist, bis zu dem Zeitpunkte hin, bis zu dem man sich später zurückerinnert, arbeitet man an der feinen Ausziselierung seines Leibes. Man arbeitet da nach unendlich weisheitsvollen Gesetzen, von denen man später in dem luziferisch-ahrimanisch durchsetzten Wissen niemals eine Ahnung bekommen kann. Wenn man darinnen in dieser Wesenheit arbeitet, ist man noch frei von allem, in das man später hineinkommt, indem man mit dem Leib zusammen die Welt erlebt. Man ist frei von allen Unterschieden, selbst von dem großen Unterschied des Männlichen und Weiblichen. Man ist als Kind noch nicht im Männlichen und Weiblichen darin lebend. Man ist noch nicht in einem Standes-, Rassenunterschiede darin, ist noch nicht in einem nationalen Unterschiede darin. Man ist Mensch, bloßer Mensch. Man ist real in dem darin, worin selbst diejenigen einmal gelebt haben, die sich jetzt durch das, was sie erst äußerlich erleben, durch Haß, im Kriege gegenüberstehen. Daß man sich in der Welt hassend als verschiedenen Nationen angehörig gegenübersteht, das wird erst durch diejenigen Kräfte entwickelt, in die man sich mit dem physischen Leib zusammen hineinlebt. Das Kind lebt, bevor es sich mit dem physischen Leib zusammengelebt hat, noch in dem darin, das jenseits von Nationen- und Standesunterschieden ist. Es lebt drinnen in dem, in dem nun wirklich die Seelen leben können, wo sie auch geboren sind auf der Erde. Denken Sie doch, die Menschen können sich furchtbar bekämpfend, wütig bekämpfend gegenüberstehen, sich gegenseitig totschießen — und diejenigen, die sich gegenseitig totschießen, in dem gemeinschaftlichen Christus können sie durch die Pforte des Todes durchgehen, in dem, worinnen sie sind, wenn sie noch nicht mit den Unterschieden der Menschen behaftet sind. Was sich hassend gegenübersteht, das erwirbt sich der Mensch erst im physischen Leib, das hat nichts zu tun mit dem, was außerhalb des physischen Leibes ist. Viel, viel hat die Gegenwart zu lernen, gerade die Gegenwart, indem sie sich wiederum zurückfindet zu der Verehrung des Jesus in der Zeit, wo er dargestellt wird als Kind, da er noch nicht eingetreten ist in dasjenige, was die Menschen differenziert und sie gegenseitig zu Streit und Hader bringt. Erst durch dasjenige, was der Mensch erlebt, wenn er etwas anderes wird, als das Kind ist, von dem zu Weihnachten gesprochen wird, erst durch das entsteht Krieg und Streit. Dasjenige, was zu Weihnachten gespielt wird, ist der Mensch, wirklich als in Verbindung stehend mit den kosmischen Mächten, aber so, daß in einzigartiger Gestalt äußerlich auf dem physischen Plan sich offenbart, was nicht eingeht in Streit, was in gleicher Weise diejenigen in ihrem Herzen tragen können, die sich äußerlich bis auf den Tod bekämpfen.

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Cite: GA 165/1915-12-28/p025 · edition original