{"corpus":"steiner","locus":"GA 165/1916-01-07/p009","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Wenn der Mensch heute fühlen will, was er eigentlich ist, so denkt er zunächst — auch wenn er noch so schöne andere Theorien hat - an dasjenige, was er innerhalb seines Leibes, innerhalb seiner Haut ist, wirklich innerhalb seiner Haut. Es ist schwierig, gerade darüber eine deutliche Vorstellung hervorzurufen, weil es wahr ist und in der Gegenwart gar nicht geglaubt wird, weil die Menschen sich gerne allerlei Idealismus vormachen, um sich darüber hinwegzutäuschen, daß sie im Grunde genommen nur an sich glauben, insoferne sie in ihrer eigenen Haut eingeschlossen sind. Dieser Übergang mußte aber stattfinden. Aus dem Grunde mußte er stattfinden, weil der Mensch nach und nach einsehen muß, wie er sich das, was innerhalb seiner Haut ist, in gewissem Sinne und innerhalb gewisser Grenzen aus seinem Karma heraus selber zubereitet. Dasjenige, was das griechische Schicksal war, hatte sich der Mensch nicht selber zubereitet, das verband ihn mit seiner Generationenreihe. Was der Mensch der Zukunft als Karma empfinden wird, wird ihn in bewußter Weise mit den andern Menschen verbinden. Der Mensch wird sein Karma bewußt als etwas Wirkliches empfinden müssen. Das wird dem heutigen Menschen, wie Sie sich durch eine leichte Erwägung vorstellen können, noch unendlich schwer, das Karma als etwas Bewußtes zu empfinden. Als eine Theorie läßt man es gelten, aber als ein Bewußtes das Karma empfinden, das wird den heutigen Menschen wahrhaftig noch recht, recht schwer. Denn ich habe ja einmal gesagt: Nehmen wir an, wir bekommen von jemandem eine Ohrfeige. Gewiß, äußerlich, insoferne wir in unserem Leib eingeschlossen und Wesen zwischen Geburt und Tod sind, müssen wir uns dagegen wehren. Aber darüber muß der höhere Standpunkt geltend gemacht werden: Wer hat dir denn die Ohrfeige gegeben? Wer hat den, der dir die Ohrfeige gegeben hat, hingestellt, auf daß er dir die Ohrfeige gibt? Er stünde nicht da, wenn da» ihn nicht hingestellt hättest durch die Art und Weise, wie du durch das Karma mit ihm verbunden bist. — Denken Sie, wie heillos schwierig das für den Gegenwartsmenschen zu denken ist! Christen glauben ja, die Gegenwartsmenschen zu sein, aber sie werden dem noch wahrhaftig wenig nachfolgen, der ihnen den Rat gibt: Wenn dir einer einen Streich auf die linke Wange gibt, so reiche ihm die rechte hin - in Gedanken, äußerlich wird es ja nicht gehen. Und diesen Unterschied zwischen dem Innerlich und dem Außerlich machen die Menschen noch nicht. Es wird ihnen ganz heillos schwierig, irgendwie im Karma zu leben.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Zweiter Vortrag","site_heading":null,"date":"1916-01-07","location":null,"word_count":403,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/165/1916-01-07/p009","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/165/1916-01-07/p009"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/165/1916-01-07/p009","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}