Die Geistige Vereinigung Der Menschheit Durch Den Christus-Impuls

GA 165/1916-01-09/p023 ·1916-01-09 · original (original)
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Wir müssen nun in unseren Anschauungen die Dinge so betrachten, wie wir sie eben betrachten. Da erscheint uns selbstverständlich dasjenige, was durch Widerpart entsteht, was von der andern Seite her durch die Gegnerschaft von Luzifer und Ahriman entsteht, nicht wie etwas absolut Böses, nur wie ein relativ Böses. Nehmen wir nämlich auch die andere Seite der Sache in Betracht. Denken wir uns, der ursprüngliche göttliche Weltenplan mit der Erde wäre erfüllt worden; es wäre wirklich in regelmäßiger Weise, wie ich es angedeutet habe, der griechisch-lateinische Zeitraum herangekommen, und jener schöne, harmonische Menschentypus, von dem die Griechen geträumt haben, wäre nicht nur von den griechischen Bildhauern geformt worden, sondern wäre unter den Menschen umhergegangen und hätte immer mehr und mehr Platz gegriffen über die ganze Erde hin. Es wären nach und nach alle andern Menschenformen verschwunden, und nur dasjenige, was in der Veranlagung des Apollo-, des Zeustypus, des Dianatypus, des Athenetypus lebte, wäre über die Erde gewandelt und hätte, weil es sich erkannt hätte in der äußeren Anschauung, sich den Menschennamen gegeben. Es wäre der Menschenname möglich geworden, es wäre auch die Empfindung möglich geworden von der Gleichheit aller Menschen. Man möchte sagen, ein Menschentum in griechischer Schönheit hätte sich allmählich über die Erde ausgebreitet, und in unserer Zeit würde man schon sehen, wie die Menschheit hintendierte zu immer gleicherem Annähern an diesen griechischen schönen Menschentypus, der in seiner Fülle erreicht worden wäre, wenn die Erde an ihrem Ziel in der siebenten nachatlantischen Periode angekommen und zu anderer Daseinsstufe weitergeschritten wäre. Aber die Menschen würden in Unfreiheit — das müssen wir festhalten — zu dieser menschlichen Gemeinsamkeit gekommen sein. Der Mensch würde gezwungen worden sein, sich über die ganze Erde hin als ein gleiches Wesen anzusehen. All das, was unter die Menschen gekommen ist, sich als ungleich anzusehen, so daß der eine den andern nicht wie sich selber ansieht, der eine den andern nicht liebt wie sich selber, all das ist dadurch möglich geworden, daß eben nicht eine solche gleiche Gestalt gekommen ist. Sie können vielleicht fühlen, wenn wirklich das gekommen wäre, daß im Äußeren sich die Menschen so gleich geworden wären, wie sie hätten durch die ursprünglich göttlich-geistigen Kräfte werden sollen ohne den luziferisch-ahrimanischen Einschlag, dann hätte sich damit auch die Empfindung ausgebildet, daß man den Nächsten lieben muß wie sich selber; man hätte gar nicht anders gekonnt. Es wäre jedes andere ein Unsinn gewesen, ein Unsinn des Gefühls, ein Unsinn des Empfindens. Dasjenige aber, was nicht von außen kommen durfte, weil es den Menschen wie zu einem automatisch Liebenden gemacht hätte, zu einem solchen, der zwar in dem andern Menschen seinesgleichen geliebt hätte, aber nicht gewußt hätte, welche Kraft ihn zu diesem Lieben antreibt, dasjenige, was also in Unfreiheit gekommen wäre, das wurde gerade zur Freiheit dadurch vorbereitet, daß zugelassen wurde die Gegnerschaft. Dieses Zulassen der Gegnerschaft liegt also im ursprünglichen Weisheitsplane. Man kann sogar sagen: Wenn man weiter zurückgeht in der Erdenentwickelung, so wird erst die Gegnerschaft gegen die gleichmäßig fortschreitenden göttlich-geistigen Kräfte geschaffen, damit dann diese Gegnerschaft da sein könne und die Freiheit bewirken könne.

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Cite: GA 165/1916-01-09/p023 · edition original