{"corpus":"steiner","locus":"GA 165/1916-01-16/p008","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"So war es bei den Gnostikern: sie kamen nicht zum physischen Dasein, zum materiellen Dasein. Und wenn man nun einen solchen Menschen wie Marcion betrachtet, so sieht man: für ihn ist ein klarer, ein mehr oder weniger klarer Christus-Begriff da, aber er kann durchaus nicht erfassen, wie dieser Christus in dem Jesus enthalten war. Daher ätherisierte sich ihm der ganze Prozeß. Er brachte es dahin, den Christus noch als Geist, als ätherisches Wesen zu fassen, das zum Schein einen Leib angenommen hat. Aber die richtige Art und Weise, wie der Christus in dem Jesus darin war, konnte er nicht fassen. Marcion kam dazu, zuletzt zu sagen — gerade er ist es, der dazu kam, zu sagen: Christus ist zwar auf die Erde herabgestiegen, aber alles, was der Jesus erlebt, war nur zum Schein erlebt; die physischen Ereignisse sind nur zum Schein erlebt; der Christus hat eigentlich nicht teilgenommen, sondern er war nur wie eine ätherische Wesenheit da, die aber ganz getrennt blieb. Deshalb mußte sich Tertullian gegen Marcion wenden, und gegen die andern, die ähnlich dachten, Basilides zum Beispiel. Und für ihn entstand die große Rätselfrage: Wie war die göttliche Natur des Christus mit der menschlichen Natur des Jesus verbunden? Was war eigentlich der Gottmensch? Was war der Gottessohn? Was war der Menschensohn? — Über diese Begriffe suchte er es vor allen Dingen zur Klarheit zu bringen. Und da bildete er sich zunächst einen Begriff aus, der sehr wichtig war, und der heute noch immer wichtig ist, den man verstehen muß, wenn man einsehen will, wie vielfach die Möglichkeiten des Irrtums für den Menschen sind.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Zweiter Vortrag","site_heading":null,"date":"1916-01-16","location":null,"word_count":265,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/165/1916-01-16/p008","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/165/1916-01-16/p008"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/165/1916-01-16/p008","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}