Zweiter Vortrag

GA 165/1916-01-16/p022 ·1916-01-16 · original (original)
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Nun, solch ein Mensch wie Marcion sagte aus seiner luziferisch infiizierten Gnosis heraus: Den Prozeß des Menschenwerdens und so weiter, der sich hier auf der Erde abspielt, den kann doch ein Gott nicht durchmachen, weil ein Gott andern Gesetzen unterliegen muß, die der geistigen Welt angehören. Er fand nicht den Zusammenhang zwischen dem Geistigen und dem Materiellen, dem Sinnlichen. Nun gab es eine nicht mehr vorhandene Auseinandersetzung darüber — Marcion ist äußerlich, physisch, nur aus seinen Gegnern, zum Beispiel aus Tertullian, wiederzuerkennen -, daß die ganze äußere physische Geschichte des Jesus von Nazareth gar nicht angemessen wäre der göttlichen Weltordnung; wie Gott auf der Erde sein könnte, das kann alles nur Schein sein, das kann alles ohne Bedeutung sein. Der Christus müßte rein geistig erfaßt werden. — Tertullian sagte: Du hast recht, Marcion — das steht jetzt in Tertullians Schriften —, du hast recht, wenn du deine Begriffe so machst, wie du sie machst; das sind ganz verständliche, durchschaubare Begriffe, aber du mußt sie dann auch nur auf das Endliche, auf die Dinge anwenden, die in der Natur vor sich gehen; du darfst sie nicht auf das Göttliche anwenden. Für das Göttliche muß man andere Begriffe haben. Und da kann für den endlichen Verstand absurd erscheinen, was für das Walten des Göttlichen die Regel, das Gesetz ist.

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Cite: GA 165/1916-01-16/p022 · edition original