Zweiter Vortrag
Man kann nun sagen: Am nächsten kamen die Gnostiker noch dem Geiste, der zunächst als ein bloß Spirituelles anzusehen ist. Aber er ist ein Spirituelles insofern, als er zwar jetzt ein Spirituelles darstellt, aber sich allmählich verwirklichen muß im menschlichen Zusammenleben in dem sozialen Gebilde, das während der Jupiter-, Venus-, Vulkanzeit entsteht, wo der Heilige Geist sich verkörpert, jetzt nicht in einem einzelnen Menschen, sondern in der ganzen Menschheit, in der Konfiguration der Gesellschaft. Aber er ist jetzt erst im Anfang. Doch die Gnostiker konnten am ehesten verstehen, daß etwas nur spirituelles Dasein hat, nicht in das Materielle eingreift. Daher lag im Grunde genommen dem Gott der Gnostiker der Heilige Geist am allernächsten. Dies Christentum aber, das sich auf die Erde versetzen wollte, das nicht wollte, daß man den Geist verluziferisiert, in ihm nur etwas Spintuelles sieht, dies Christentum mußte jetzt auch den Glauben an den Geist festlegen als etwas, was mit dem Materiellen zusammenhängt: Ich glaube an den Heiligen Geist, an die heilige Kirche. — Das ist jetzt im Apostolikum darin, das heißt: die Kirche als ein großer physischer Leib des Heiligen Geistes. Dieses Christentum durfte auch nicht das Leben im Geiste als etwas bloß Innerliches betrachten, sondern mußte den Geist äußerlich realisiert haben durch die Sündenvergebung, indem die Kirche selber das Amt der Sündenvergebung und außerdem die Lehre von der fleischlichen Auferstehung übernahm: Ich glaube an den Heiligen Geist, an die heilige Kirche, an die Sündenvergebung, an des Fleisches Auferstehung.
Cite:
GA 165/1916-01-16/p031 · edition original