Dritter Vortrag
Wir kommen allmählich näher der großen Frage, die uns beschäftigt in diesen Vorträgen über Freiheit und Notwendigkeit. Aber wir müssen gerade bei dieser Frage, die so tief eingreift in das ganze Weltgeschehen und in alles menschliche Geschehen, uns auch alle Schwierigkeiten vorlegen. Wir müssen zum Beispiel uns klar sein darüber, daß, indem wir überschauen dasjenige, was sich abgespielt hat und in das wir selber verwickelt sind, wir dieses als ein Notwendiges überschauen. Und im Augenblicke, wo wir alle Bedingungen kennen, überschauen wir es als ein Notwendiges. Das ist gar kein Zweifel, wir überschauen das, was geschehen ist, als ein Notwendiges. Aber wir müssen uns zugleich die Frage vorlegen: Kann man denn so, wie es sehr häufig geschieht, die Ursachen für ein Späteres immer in dem unmittelbar Vorangegangenen finden? Die Naturwissenschaft muß es in einem gewissen Sinne so machen, daß sie für das, was in der nächsten Zeit geschieht, in der unmittelbar vorangehenden Zeit die Ursache sieht. Wenn ich ein Experiment anstelle, so muß ich selbstverständlich bei dem, was später geschieht, mir klar sein, daß in dem, was vorher geschehen ist, die Ursache liegt. Aber das bedeutet durchaus nicht, daß das für das ganze Weltengeschehen gelten müsse, denn erstens könnten wir uns sehr leicht täuschen über den Zusammenhang von Ursache und Wirkung, wenn wir ihn so aufsuchen würden nach den Fäden des Späteren und Früheren. Ich möchte es durch einen Vergleich klarmachen.
Cite:
GA 166/1916-01-30/p024 · edition original