{"corpus":"steiner","locus":"GA 166/1916-02-08/p029","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Denken Sie, wenn heute nur diese Wissenschaft bestehen würde in der Welt, so würde man sagen: Nun ja, ich finde eine häßliche Blume, ich finde eine schöne Blume, das ist von der Natur notwendig so. Ich finde einen Menschen, der die anderen mordet, ich finde einen Menschen, der den anderen Wohltaten verursacht, das ist von Natur eben so. Alles müßte ganz selbstverständlich wegfallen, was irgendwie zum Willen spricht. Warum fällt es denn nicht weg? Ja, wenn man das Ich nicht mehr ansieht, wenn es nicht mehr als im Bereich dessen gelten läßt, wohin man kommen kann durch die Betrachtung der Welt, dann muß man auf eine andere Weise dazu kommen. Wenn man noch, wie Ziehen es ja tut, «soziale oder religiöse Gesetze» gelten lassen will, so muß man sie auf eine andere Weise irgendwie in den Menschen hineinbringen. Das heißt, wenn man träumt mit Bezug auf die Außenwelt, mit Bezug auf das Geschaute, so muß man das Gewollte auf irgendeine Weise anregen. Und das kann dann nur das Gegenbild des Traumes sein: der Rausch. Es muß dasjenige, was im Willen lebt, in diesen Willen sich so einleben, daß der Mensch nur ja nicht darüber zu einem Besinnen kommt, daß er es ja nicht als Willensimpuls vollständig erkennt. Das heißt, es muß gewünscht werden in einem solchen Zeitalter, daß der Mensch das, was er als seine Willensimpulse aufnimmt, nur ja nicht klar zu sehen versucht, sondern es muß in ihm wirken - wir können schon das Bild gebrauchen -, wie der Wein wirkt, wenn der Mensch trunken ist. Wie derjenige, der berauscht ist, nicht die volle Besinnung hat, so muß das wirken als Impuls, was nicht zur vollen Besinnung gebracht wird. Das heißt, wir leben in einer Zeit, in der man es ablehnen muß, die Willensimpulse wirklich bis in ihre letzten Inhalte hinein zu untersuchen. Die Religionsbekenntnisse wollen Impulse liefern, aber diese wollen ja nicht irgendwie untersucht werden. Sie wollen ja nicht, daß die Begriffe, durch die sie den Willen impulsieren, irgendwie einer objektiven Betrachtung unterzogen werden. Das soll alles durch Rausch in den Menschen hineinkommen.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Fünfter Vortrag","site_heading":null,"date":"1916-02-08","location":null,"word_count":345,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/166/1916-02-08/p029","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/166/1916-02-08/p029"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/166/1916-02-08/p029","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}