Fünfter Vortrag
Wenn man nun an den Rausch herantritt, da ist es ja natürlich für den, der sich richtig ernüchtern läßt, daß für ihn ein wahres, geläutertes inneres religiöses Leben eintritt, und er wird sein Bekenntnis vertiefen können in konkrete Begriffe hinein dadurch, daß er sich mit den Impulsen, die aus der Geisteswissenschaft kommen, bekannt machen kann. Wenn Sie aber demjenigen, der das nicht will, der nicht seine Seele durchdringen will mit dem Ideal der Geisteswissenschaft, wenn Sie ihm kommen mit diesem geisteswissenschaftlichen Ideal und er sich darauf einlassen soll, wenn Sie also jemanden, der eben ganz im Gebiet der heutigen theologischen Wirksamkeit drinnensteht, mit der Geisteswissenschaft kommen, da wird er in einer sonderbaren Weise ernüchtert, so wie diejenigen ernüchtert werden, die einen Rausch gehabt haben, aber noch nicht ganz frei geworden sind von den organischen Wirkungen. Er kommt nämlich in den Katzenjammer hinein. Das kann man schon auch wirklich bemerken. Wenn Sie die Theologen heute, wo die Geisteswissenschaft bekannter, aber nicht verdaut wird wir können das insbesondere in der Umgegend von Dornach beobachten, wo sich die Theologen mehr damit befassen -, wenn Sie da die Theologen in dem, was sie sagen, beobachten, so finden Sie: das ist alles bei ihnen im Grunde genommen eine Art von Katzenjammer, in den sie versetzt werden dadurch, daß sie nun Begriffe bekommen sollen, Ideen, Inhalte bekommen sollen für dasjenige, wofür sie nur Rausch haben wollen und das sie nur unmotiviert in die geistige Gliederung der Menschenseele hineinbringen wollen. Sie schrecken zurück vor dem Ernüchtert-werden, das sie deshalb nicht ertragen können, weil sie wissen: da kommt nicht Klarheit für sie heraus, sondern - verzeihen Sie den trivialen Ausdruck - ein brummiger Schädel.
Cite:
GA 166/1916-02-08/p033 · edition original