Fünfter Vortrag
Allein wenn Sie eingehen auf dasjenige, was heute und oftmals hier gesagt worden ist, und es in seinen Konsequenzen sich vor Augen halten, dann werden Sie nicht in gewisse Fehler verfallen, in die Sie sonst immer wieder und wiederum verfallen werden. Es wird natürlich außerordentlich schwer sein, gewisse Fehler zu vermeiden. Ich will heute nur noch auf einen dieser Fehler aufmerksam machen. Sehen Sie, immer wieder finden sich unter uns einzelne Menschen, welche sagen: Nun ja, da sind zum Beispiel die Anhänger dieses oder jenes Bekenntnisses, sagen wir also, man lebt unter einer mehr oder weniger katholischen Bevölkerung mit einem katholischen Pfarrer. Da glauben unsere Freunde sehr häufig, wenn sie nun diesem Pfarrer klarmachen, daß wir doch den Christus vertreten, daß wir über das Mysterium von Golgatha in einer richtigen Weise sprechen, daß wir den Christus nicht leugnen, so werde die Freundschaft dieses Pfarrers zu erreichen sein. Ganz und gar gefehlt ist dieser Gedankengang. Niemals ist es möglich, dadurch diese Leute zu gewinnen, daß man ihnen zeigt, man leugne das nicht, was sie zu vertreten verpflichtet sind. Ganz unmöglich. Man würde sogar besser mit diesen Leuten auskommen, wenn man in der Lage wäre, zu sagen, man leugne den Christus. Da würden sie sagen: Nun ja, das sind also solche, die den Christus leugnen. Die gehören nicht zu uns. Wir bleiben bei unserer Gemeinde, die sich durch uns den Christus beibringen läßt auf dem Wege des Rausches. - Sie sprechen das nicht aus, aber sie machen es. Aber wenn solche auftreten, die neben ihnen den Christus behaupten, die neben ihnen sogar über den Christus etwas Positives zu wissen behaupten, dann werden diese Menschen eigene Wege geführt, dann werden diese Menschen zu solchen, die auf einem anderen Wege den Christus behaupten wollen als sie, und dann werden sie viel stärkere Feinde, als sie wären, wenn unsere Freunde den Christus leugnen würden. Denn den Christus zu vertreten, das betrachten sie als ihr Privilegium, und gerade das ist der Fehler, daß die anderen auf eine andere Weise den Christus vertreten.
Cite:
GA 166/1916-02-08/p035 · edition original