{"corpus":"steiner","locus":"GA 166/1916-02-08/p039","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Man kann sehr leicht darauf aufmerksam machen, daß das nicht eine große Logik, sondern eine richtige Traumlogik ist. Ich antworte gewöhnlich, wenn solche Dinge gesagt werden: Man kann auch auf dem Gebiet der äußeren Sinnenwelt die Realität nicht beweisen, denn wenn einer niemals im Leben einen Walfisch gesehen hat, könnte man niemals aus der bloßen Logik heraus beweisen, daß es einen Walfisch gibt, nicht wahr? Das Aufzeigen der Realität ist etwas ganz anderes als dasjenige, was man beweisen könnte. Nur in der Traumlogik könnte das gelten. Ich kann es noch deutlicher sagen. Nehmen Sie einmal an, ich mache ein Porträt von einem Menschen, der lebt, und jemand fällt das WirklichkeitsUrteil: dieses Porträt ist sehr ähnlich. Und jetzt wollte er mir erklären, warum. Da sagt er nun: Ja, das Porträt ist ähnlich aus dem Grunde, weil, wenn ich das Porträt und den Menschen zusammenstelle, so sieht das eine dem anderen gleich. Die Übereinstimmung mit der Realität macht die Ähnlichkeit. - Die Übereinstimmung mit der äußeren Realität macht die Ähnlichkeit? Warum sagt er: das Bild ist ähnlich? Weil es mit der äußeren Realität übereinstimmt. Die äußere Realität ist das Wahre. Nun denken wir uns, der Mensch, der abgebildet ist, stirbt, und nach dreißig Jahren schauen wir das Porträt an. Ist es nach dreißig Jahren deshalb, weil es nicht mit der äußeren Wirklichkeit übereinstimmt, nicht mehr ähnlich? Der Mensch ist nicht mehr da. Er ist längst, nehmen wir an, verbrannt worden. Kommt es bei der Ähnlichkeit darauf an, ob . die äußere Wirklichkeit vorhanden ist? Bei klarem Denken nicht. Für das Traumdenken kann man sagen, es käme darauf hinaus, irgend etwas zu beweisen dadurch, daß man die äußere Realität aufweisen kann. Nur für das Traumdenken, für die Traumlogik ist das richtig. Denn wahrhaftig, dadurch, daß ein Mensch aus der Existenz in eine Nicht-Existenz übergeht, wird ein Bild, das man von ihm gemacht hat, nicht aus der Ähnlichkeit in die Unähnlichkeit übergehen.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Fünfter Vortrag","site_heading":null,"date":"1916-02-08","location":null,"word_count":318,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/166/1916-02-08/p039","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/166/1916-02-08/p039"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/166/1916-02-08/p039","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}