Fünfter Vortrag

GA 166/1916-02-08/p044 ·1916-02-08 · original (original)
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Interessant ist ja folgendes, was einem passieren kann. Verzeihen Sie, daß ich Ihnen, ich möchte sagen, so von den intimsten Geheimnissen der Vorbereitung zu einem solchen Vortrag wie dem heutigen erzähle. Nicht wahr, ich mußte den heutigen Vortrag halten. Ich wollte Ihnen dasjenige, was ich Ihnen auseinandersetzte, nicht bloß aus dem großen Ganzen heraus sagen, sondern ich wollte Sie auf den bestimmten Fall hinweisen. Dazu mußte natürlich dieses Buch vorgenommen und wiederum durchstudiert werden. Da hatte ich es fertig studiert. Ich kann Ihnen selbstverständlich nicht das ganze Buch vorlesen, sondern muß mich auf einzelne Stellen reduzieren, die ich etwa vorbringen werde. Nun wollte ich Ihnen ja zeigen, wie die gegenwärtige Traum-NaturwissenschaftsWeltanschauung den Willen nicht haben kann, wie der Wille wirklich nicht da ist. Das habe ich Ihnen gezeigt an diesem Buche, bei dem Verfasser dieses Buches. Dann wollte ich Sie besonders auf das aufmerksam machen, was der Betreffende vom Willen gesagt hart, das heißt, was er gegen den Willen sagt. Nun schaue ich hinten im Buche nach: «Wille», aha, Seite 205 ff. Nun nimmt man das, geht wiederum zurück und sieht nach, was der Verfasser da vom Willen sagt. Ich habe Ihnen heute aber auch erzählt, daß ja der Wille im Ich drinnen zunächst nur wahrzunehmen ist für die physische Welt, so daß wir, wenn wir vom wahren Ich sprechen, eigentlich vom «wollenden Ich» sprechen müssen. Ich hätte Ihnen also auch noch zu zeigen, wie derjenige, der bloß Traumanschauung aus der Naturwissenschaft heraus hat, von sich aus über das Ich spricht. Daß er den Willen einfach ableugnet, darüber habe ich Ihnen eine Stelle vorgelesen: Bewegungsvorstellung - der Wille ist ausgeschaltet. Nun wollte ich Ihnen auch noch etwas rasch vorlesen, was er über das Ich sagt. Ich nehme wiederum das Register: I - «Ich» kommt überhaupt nicht vor! Das ist natürlich ganz konsequent. Wir haben also selbstverständlich ein Buch über Physiologische Psychologie, also ein Buch über Seelenkunde, aber das Ich kommt nicht darin vor! Es ist im Register gar nicht darauf verwiesen, und wenn Sie es durchgehen, werden Sie auch sehen, daß zwar die Vorstellung des Ich vorkommt, die selbstverständlich eine Vorstellung ist. Vorstellungen läßt er ja gelten, sie sind ihm ja nur das andere Wort für mechanische Vorgänge des Gehirns. Aber das Ich als solches kommt gar nicht vor, es ist ausgeschaltet.

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Cite: GA 166/1916-02-08/p044 · edition original