{"corpus":"steiner","locus":"GA 167/1916-04-04/p020","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Für mich knüpft sich noch eine ganz niedliche Erinnerung gerade an die Übersetzung der Werke von Saint-Martin, dem «Unbekannten Philosophen», an. Das Buch von Saint-Martin, «Des erreurs et de la verite», dieses Buch über Irrtum und Wahrheit, das ist sehr schön ins Deutsche übersetzt von einem liebenswürdigen deutschen Dichter, der allgemein bekannt ist. Und insofern ist mir das gerade nicht uninteressant, denn es wird demnächst eine kleine Broschüre erscheinen von mir: «Die Aufgabe der Geisteswissenschaft und deren Bau in Dornach», wo ich versuche, gewisse landläufige Irrtümer, die über die Geisteswissenschaft verbreitet sind, einmal kurz und populär zu widerlegen. Der Aufsatz, der in nächster Zeit erscheinen wird, ist hervorgegangen aus einem Vortrage, den ich in der Schweiz gehalten habe, weil dort, in Dornach selber, ein besonders gescheiter evangelischer Pfarrer alles mögliche vorgebracht hat. Doch wollte ich schließlich nicht einzig und allein mit einem solchen Pfarrer mich beschäftigen. Aber dieses, was er vorgebracht hat, das ist gewissermaßen typisch. Die Leute bringen alle möglichen Dinge vor, und da konnte ich, ohne daß ich auf den Pfarrer gerade hingewiesen habe, diese landläufigen Irrtümer über unsere Geisteswissenschaft widerlegen, namentlich auch über den Dornacher Bau. In einem Vortrage, den dieser Pfarrer gehalten hat, hat er auch angeführt ein Gedicht — ich habe schon einmal hier davon gesprochen — von Matthias Claudius. Dieses Gedicht führte er an, offenbar mit starkem Pathos, indem er eine Strophe daraus zitierte, um zu zeigen, wie wenig die Menschen eigentlich von so etwas sprechen sollten, wie einer geheimen Wissenschaft, denn nicht einmal den Mond könnte man begreifen. Man braucht aber in diesem selben Gedicht von Matthias Claudius nur fortzulesen, so ist es die nächste Strophe, die beweist, daß das genaue Gegenteil von dem, was der Pfarrer da meint, von Matthias Claudius gemeint wird. Aber das Interessante ist, daß der Übersetzer von Saint-Martins Buch «Irrtum und Wahrheit» gerade der Matthias Claudius ist, daß der gerade den Saint-Martin übersetzte. Also, Sie können sich denken aus solchen Dingen, meine lieben Freunde, mit welchen Leuten man es zu tun hat, die einem heute entgegentreten angeblich mit dem, was sie «gute Gründe» nennen, und mit welchen Gründen man es da eigentlich zu tun hat. Das Kapitel, mit welchen Leuten man es zu tun hat heute, das könnte ja in sehr ausführlicher Weise dargestellt werden. Es ist eigentlich bedauerlich, wenn man Zeit verlieren muß, um diejenigen Menschen, die in einer solchen Art der Sache entgegentreten, zu widerlegen.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Zeichen, Griff und Wort","site_heading":null,"date":"1916-04-04","location":null,"word_count":399,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/167/1916-04-04/p020","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/167/1916-04-04/p020"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/167/1916-04-04/p020","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}