Things in Past and Present in the Spirit of Man
Man sagt innerhalb dieser Kreise in bezug auf dasjenige, was man sucht, was da eigentlich erstrebt wird, man suche «das verloren gegangene Wort». Nun, ich kann mich auf Einzelheiten nicht einlassen, das würde zu weit führen, allein will man ein wenig nachforschen mit, ich möchte sagen, naheliegenden Mitteln nach dem, was mit dem verloren gegangenen Worte gemeint ist, so braucht man ja nur den Anfang des Johannes-Evangeliums ins Auge zu fassen: «Im Urbeginne war das Wort». Im Griechischen war das Wort immer: der Logos. «Und das Wort war bei Gott; und ein Gott war das Wort.» Mit diesem Worte ist ja — wir haben oftmals über diese Dinge gesprochen — selbstverständlich nicht dasjenige gemeint, was wir jetzt mit dem Worte Wort bezeichnen, sondern mit diesem Worte ist etwas ganz anderes gemeint. Man kommt nur nahe dem, was damit eigentlich gemeint ist, wenn man sich erinnert — und wir haben ja solche Dinge gerade in den letzten Stunden hier besprochen —, daß die Menschheit in uralten Zeiten eine UrOffenbarung gehabt hat, eine Ur-Weisheit. Denken Sie sich diese Ur-Weisheit, die der noch kindlichen Menschheit auf die Art gegeben worden ist, wie es hier besprochen worden ist, denken Sie sich diese in Ausbreitung und nennen Sie sie dann den Logos, das Urwort, dann werden Sie ungefähr eine Vorstellung von dem haben, was mit dem Worte, mit dem Logos gemeint ist. Und man kann ja sagen: Dasjenige, was einstmals durch die Vermittelung höherer Geister der noch in den Kinderzeitaltern stehenden Menschheit als eine Weisheit gegeben worden ist, die weit überragt alles dasjenige, was wir heute auch in unserer Geisteswissenschaft schon wissen können, das ist verloren gegangen. Und es ist ein schöner Brauch, wenn in solchen Brüderschaften wenigstens das eine Gefühl, die eine Empfindung angeregt wird: daß so etwas verloren gegangen ist und daß es wieder gesucht werden müsse. Selbstverständlich wird es in diesen Brüderschaften natürlich nicht etwa gefunden. Sonst wären ja alle diejenigen, die einen gewissen Grad solcher Brüderschaften erreicht haben, weise, wie es einstmals die von den Göttern unterrichteten Urweisen der Menschen waren. Und das zeigt sich ja nicht gerade an denjenigen, von denen man weiß, daß sie gewisse Grade in solcher Brüderschaft erreicht haben, sonst müßte ja die Welt ganz anders aussehen. Aber in der Zeremonie, im Kultus, wird doch etwas gezeigt, was Bild ist dieses Verlorengehens der Ur-Weisheit und Wiederauffindens der Ur-Weisheit. Es soll sich so etwas in die Seelen der Menschheit senken, damit sie wenigstens in die Lage kommen, wenn sie durch die Todespforte durchgehen, durch die geistige Welt dann durchgehen, wiederum auf die Erde kommen, daß sie wenigstens dann ein Verständnis haben können für dasjenige, was dann, ja, was auch schon heute, müßte man eigentlich sagen, als eine Weisheit der Erde nötig wäre.
Cite:
GA 167/1916-04-25/p004 · edition original