Things in Past and Present in the Spirit of Man
Denken Sie, was für eine komplizierte Mannigfaltigkeit wir Menschen also eigentlich sind und wie es im Grunde genommen unmöglich ist, mit diesen Dingen, durch die man doch erst die Welt verstehen kann, an die Menschen heranzukommen. Das kann man sehen, wenn einmal jemand aus einer, ich möchte sagen, genialen Eingebung heraus so etwas ahnt von der Wahrheit. Und solche Menschen gab es im Laufe der neueren Geistesentwickelung. Zum Beispiel dem Schüler Schellings, Ofen, kam durch seine Genialität die Idee: Der Mensch ist zusammengefaßt aus dem gesamten Tierreich. Nicht im Sinne des Darwinismus der Gegenwart — ich habe das letzte Mal wiederum mit einem Worte bezeichnet, was für Unlogik die modernen Menschen entfalten, wenn sie über den Darwinismus der Gegenwart sprechen —, sondern Oken ahnte etwas von der Wirklichkeit. Er hatte noch nicht die geisteswissenschaftliche Möglichkeit, die Sache so auszusprechen, wie wir das heute aussprechen können, aber er ahnte etwas von diesem Tatbestand, von diesem Darinnenstecken des ganzen Tierreiches in dem Menschen, und er hat es kühn ausgesprochen. Aber er ist ausgelacht worden, namentlich von denjenigen, die nach seinem Zeitalter gekommen sind. Denn denken Sie sich, was soll sich denn ein so ganz gescheiter, so unendlich kluger Mensch der Gegenwart denken, wenn Oken ausspricht, was er zum Beispiel getan hat: Die Zunge ist ein Tintenfisch! Oken wollte aber das, was ich eben angedeutet habe aus der Geisteswissenschaft heraus, aus seiner genialen Intuition heraus den Menschen klar machen. Er wollte zeigen, daß die einzelnen Teile, wie sie aus dem Ätherleib herausgebildet sind, eigentlich etwas mit den Formgestalten des Tieres zu tun haben. Das Ohr führte er zum Beispiel gerade auf eine Art Kombination von einem Storch und einer Maus zurück, aber die Zunge führte er zurück auf die Natur des Tintenfisches. Selbstverständlich wurde er mit einer solchen Sache ausgelacht. Aber man sieht, dasjenige, was so lächerlich erscheinen kann, das ist die Vorahnung von etwas, was ein tiefes Wissen bilden muß und sich einleben muß in die Menschheit gerade der kommenden Zeiten. Denn man wird nicht die Erscheinungen dieser Welt umfassen können, wenn man solche Dinge nicht wissen wird. Und die Wirklichkeit wird man nur beurteilen können, wenn man solche Dinge wissen wird.
Cite:
GA 167/1916-04-25/p008 · edition original