{"corpus":"steiner","locus":"GA 167/1916-04-25/p017","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Da ist eine Erscheinung zu besprechen, die uns zeigen kann, in welcher tiefen Lebenslüge wir eigentlich stecken. Ich will Ihnen einmal einen uns naheliegenden Beweis zeigen, wie unwahr in dieser Beziehung eigentlich die Verhältnisse sind, die unter den Menschen heute in der Gegenwart walten. Erinnern Sie sich einer Sache, die da steht in jenem Zyklus, wo die Auseinandersetzung gegeben wird über die christliche Einweihung. Da wird als die erste Einweihungsstufe von der Fußwaschung gesprochen, die einfach ein symbolischer Ausdruck ist für etwas, was der Mensch in seiner Seele sich erüben soll. Es wird dort beschrieben, wie der Mensch gewisse Gefühle, gewisse Empfindungen entwickeln soll, die ja dahin gehen, seinen Zusammenhang mit dem ganzen All der Reiche der Natur zu empfinden. Ja, wenn man hineinschaut in diesen Zusammenhang, dann sagt man sich, mit tiefem, innigem Gefühl hinunterschauend zu dem Tierreich: Dieses Tierreich muß da sein als Grundlage des Menschenreiches. Was wären wir, die höher entwickelten Geschöpfe, wenn das niedere Reich nicht da wäre? Dies zu einer lebendigen Empfindung zu machen, ist der Anfang des ersten Grades der christlichen Einweihung. Und dann, sich klar zu machen, wie wiederum das Tier, als dem höheren Reiche angehörig, hinunterschauen müßte auf die Pflanzen und sagen müßte: Du, Pflanze, die du zwar niedriger stehest als ich in der Reihe der Erscheinungen, dir verdanke ich mein Dasein. Und wiederum die Pflanze müßte hinunterfühlen zum Mineral, aus dem sie herauswächst, zum mineralischen Boden, und sagen: Dir verdanke ich mein Dasein. Und so beten die Angeloi, zum Menschenreich hinunterschauend: Euch Menschen, die ihr auf einer niedrigeren Stufe der Entwickelung steht, euch danken wir unser Dasein! Und so weiter hinauf. Da verwandelt sich dasjenige, was man sich erdenken kann, was man erforschen kann, in eine Grundempfindung der menschlichen Seele.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Things in Past and Present in the Spirit of Man","date":"1916-04-25","location":null,"word_count":289,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/167/1916-04-25/p017","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/167/1916-04-25/p017"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/167/1916-04-25/p017"}]}