{"corpus":"steiner","locus":"GA 167/1916-04-25/p020","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Und Christian Morgenstern, der durch Jahre hindurch in unserer Mitte mit seinen Empfindungen gelebt hat, hat in tapferer Weise gerade in diesem seinem letzten Gedichtband sich bekannt zu demjenigen, was durch unsere Weltanschauungsströmung fließt. Soweit also das, wasChristian Morgensternbetrifft, der selbstverständlich auch nicht im geringsten etwas kann für das Folgende, das ich nun zu sagen habe. Denn würde Christian Morgenstern heute als physischer Mensch noch unter uns sein — er ist ja vor zwei Jahren durch die Pforte des Todes gegangen —, er würde heute ganz gewiß noch stärker und tapferer mit seinem ganzen Wesen für unsere Sache eintreten. Aber nun erscheint eine Kritik der Morgensternschen Gedichte. Mancherlei wird in dieser Kritik gesagt, selbstverständlich auch Gutes über Christian Morgenstern; denn man hat ja schon früher gewußt, bevor er gestorben ist, daß er ein bedeutender Dichter ist, warum sollte denn derjenige, der eine solche Kritik jetzt schreibt, das vergessen haben ? Da wird selbstverständlich nichts gesagt davon, wie Christian Morgenstern gerade mit all dem, was durch diesen Gedichtband fließt, ganz innerhalb unserer Strömung steht. Aber etwas anderes wird gesagt: Dieses Gedicht, das ich eben vorgelesen habe, wird angeführt, und über dieses Gedicht wird gesagt, man sehe daran, daß ein Mensch eine Anschauung haben könne, welche das Geistige im Gleichnis und doch wiederum ganz gleichnislos darstelle. Und Folgendes wird über dieses Gedicht gesagt: «In diesen wundersamen Strophen ist kein Bild; aber inmitten der leiblosen, ganz spirituellen Dichtungen wirkt dies Gedicht mit besonderer Kraft, weil das Irdische darin sichtbar wird: in ihm noch sichtbar ist. Wirklichkeithaft erscheint es, angeredet, nicht als Gleichnis. Der Weg des Menschen: gleichsam die früheren, erdischen Stücke; nun wandert er fort, jenseitige Strophen verkünden es. Dies verehrungswürdige Gedicht ist ein diesseitiges Gebild; und, darum vielleicht, für mein Gefühl das größte dieses Buches, das größte, das Morgenstern schuf, und eins der größten Gedichte, welche in der deutschen Lyrik jemals entstanden sind.»","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Things in Past and Present in the Spirit of Man","date":"1916-04-25","location":null,"word_count":311,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/167/1916-04-25/p020","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/167/1916-04-25/p020"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/167/1916-04-25/p020"}]}