Things in Past and Present in the Spirit of Man
Dafür ein kleines Beispiel: Da habe ich ein Büchelchen, über den Inhalt will ich weiter nicht sprechen. Der Verfasser ist Thomas Mann, einer derjenigen, die heute von vielen als die erleuchtetsten Geister angesehen werden. Er spricht auch über die Art und Weise, wie man den gegenwärtigen Krieg in seinen Ursachen zu betrachten habe. Nun, ich will in diese Sache nicht eingehen. Aber indem er auf die Urteile der anderen blickt, sagt er: «Ein wenig Mut zur Geistesklarheit, meine Herrschaften!» — Er findet, daß die anderen nicht Mut haben zur Geistesklarheit. Also bescheiden ist der Mann nicht! Und jetzt kommt das, wobei man wirklich vor Schmerz aufspringen könnte. Jetzt will er beweisen, wo die Ursachen liegen. Da sagt er: «Zum Kriegführen gehören zwei oder mehrere, und wenn nur Deutschland bereit gewesen wäre, es auf die ultima ratio ankommen zu lassen, wenn nicht auch die anderen den Krieg, wie die korrekte Redensart lautet, «in ihren Willen aufgenommem gehabt und ihn einem diplomatischen Erfolge Deutschlands begeistert vorgezogen hätten, — nun! so wäre er nicht gekommen». — Zum Kriegführen gehören zwei, sonst kommt der Krieg nicht, — natürlich, das ist die Logik, mit der man heute denkt. Also das heißt: Wenn einer angreift, und nicht zwei da sind, die wollen, da kommt kein Krieg. Zum Kriegführen gehören zwei, da müssen zwei wollen. Das ist die Logik, meine lieben Freunde, eine Logik, die man noch dadurch besonders unterstreicht, daß man sagt: «Mut zur Geistesklarheit, meine Herrschaften!» Solche Erscheinungen spüren manche, und sie erziehen sich dann zur Demut, zur Bescheidenheit. Aber oftmals kommt einem diese Bescheidenheit so vor, daß man es charakterisieren könnte, mit einem Gedichte von Matthias Claudius, einem schönen Gedicht über die Bescheidenheit, der man sich hingibt. Ich will nicht über die Bescheidenheit sprechen, sondern dieses Gedicht sprechen lassen. Das Gedicht heißt — verzeihen Sie —: «Der Esely.
Cite:
GA 167/1916-04-25/p028 · edition original