Things in Past and Present in the Spirit of Man
Segen wird einmal erst da sein, wenn man wissen wird, daß von der anderen Seite her die Geisteswissenschaft arbeitet. Denn man wird nichts machen können mit alledem, was da von der einseitigen Naturwissenschaft her gebracht wird. Wenn man immer wieder und wiederum sehen muß — oh, es ist schmerzlich —, daß die Naturforscher eigentlich von der anderen Seite her arbeiten und das beschreiben, so weit sie eben kommen können, von der anderen Seite, worauf die Geisteswissenschaft aus einer breiten, umfassenden Weltanschauung kommt, da hat man das Gefühl: die Leute haben ja dasjenige in der Hand, um das es sich handelt. Aber wie haben sie es in der Hand? Sie haben es in der Hand wie einer, der ein Magneteisen in der Hand hat, einen Hufeisen-Magneten, und der da sagt: Da behauptest du mir, da sei eine magnetische Kraft drinnen; ich sehe das stoffliche Eisen! — und der dieses stoffliche Eisen nimmt und damit das Pferd beschlägt. Denken Sie sich einmal: Gerade so verhalten sich die bloß auf dem Boden der Naturforschung stehenden Menschen, wie der, der ein Pferd beschlägt, statt den Magnetismus zu verwenden, woraus dann etwas ganz anderes entstehen könnte als ein Hufeisen, das man einem Pferd annagelt; dazu braucht das Eisen eben nicht magnetisch zu sein, es ist vielleicht gar nicht gut, wenn es magnetisch ist. Denken Sie, was anderes entstehen würde aus alledem, was unsere Naturwissenschaft gebracht hat, wenn es möglich wäre, daß die Leute ohne Vorurteile und unbefangen sich wirklich begegnen würden mit dem, was die Geisteswissenschaft ihnen entgegenbringt. Und denken Sie, wie das auf allen Gebieten so ist. Wie hilflos, wie grenzenlos hilflos sind die volkswirtschaftlichen Untersuchungen der gescheiten Leute der Gegenwart! Sie ahnen nicht, was aus der gegenwärtigen Volkswirtschaft würde, wenn man sich begegnen wollte mit dem, was die Geisteswissenschaft zu geben vermag. Und so auf allen, allen Gebieten. Überall ist es so, daß man sieht: Die Leute haben das Eisen, sie wissen nur nicht, daß es magnetisch ist, daß eine unsichtbare Kraft in dem ist, was sie in der Hand haben. Das ist dasjenige, was wir fühlen, was wir empfinden müssen. Überall werden die Menschen durch die Notwendigkeit der Entwickelung an den Geist herangedrängt. Aber die Meinung ist so befangen, daß sie diesen Geist nicht anerkennen können.
Cite:
GA 167/1916-04-25/p036 · edition original