Homo oeconomus
Ich habe Ihnen das letztemal ausgeführt, daß gerade die Idee des Mysteriums von Golgatha, wie wir sie durch die Geisteswissenschaft kennen, zusammenbringt drei Dinge: Erstens den Jesus, wie er als Zarathustra in dem salomonischen Jesusknaben sich verkörpert und wie er das bringt, was geschichtlich die Menschheit durchgemacht hat, er selber mitgemacht hat von Inkarnation zu Inkarnation. Ich habe Ihnen dann klargemacht, wie dasjenige, das in der Erde vorbestimmt war, bevor sie durchgegangen ist durch diese geschichtliche Entwickelung, im nathanischen Jesusknaben ist. Ich habe Ihnen gezeigt, wie im Koran der nathanische Jesusknabe voll beschrieben wird bis zu jenem Punkte hin, daß dieser nathanische Jesusknabe bei der Geburt schon gesprochen hat. Mit diesen zwei Elementen bringen wir zusammen das Außer- und Überirdische des Christus, der im dreißigsten Jahre in die Persönlichkeit des Jesus von Nazareth, des salomonisch-nathanischen Jesus, einzieht, so daß wir in dem Christus erkennen eine Verbindung der geistigen Welten außer der Erde mit dem, was auf der Erde sich vollzogen hat. Und ich habe darauf aufmerksam gemacht: Notwendig ist es, daß unsere Zeit sich hinbequemt zu dem Begriffe dieser Größe der Jesus-Gestalt und damit auch dieser Größe des Mysteriums von Golgatha. Denn unsere Zeit hat ja gewiß in ihrem fünften nachatlantischen Zeitraum den Verstand, das verständige Denken sehr, sehr ausgebildet; aber es muß hinzugefügt werden zu diesem verständigen Denken das geistige Erfassen der Welt. Dann wird schon wieder verstanden werden, und auch in einem vorgerückteren Maße verstanden werden das Mysterium von Golgatha, als es die vorhergehenden Jahrhunderte verstanden haben. Wir müssen uns erwerben die Möglichkeit des Verständnisses des Mysteriums von Golgatha. Aber ich möchte sagen: Bevor das Verständnis des Mysteriums von Golgatha so recht erworben werden kann, kommt erst noch alles dasjenige, was durch ahrimanische Mächte diesem Menschen-Verständnis eingefügt wird. Im Grunde genommen warten alle guten Geister, möchte ich sagen, darauf, daß die Menschen das Mysterium von Golgatha verstehen. Aber den Menschen drängt sich noch alles entgegen. Sie wollen nicht heran an das Verständnis dieses Mysteriums von Golgatha. Und so verleumden sie unbewußt dieses Mysterium von Golgatha. So verleumden sie unbewußt auch die Gestalt, die im Mittelpunkt dieses Mysteriums von Golgatha zu stehen hat. Denken Sie einmal, es würde jemand alle die tiefen Gefühle, die ernsten Gefühle und Empfindungen, die in uns erzeugt werden können durch die Art, wie wir das Mysterium von Golgatha verstehen, wirklich durchleben wollen, und er stieße mit jemand zusammen, der so recht aus dem heutigen Zeitbewußtsein heraus über den Christus Jesus spräche. Da könnte er unter Umständen eine furchtbarste Verleumdung, Herabsetzung desjenigen erfahren, was er fühlt und empfindet aus der wirklichen Erkenntnis des Mysteriums von Golgatha heraus. Man wird ihm vielleicht entgegnen: Was du uns da alles sagst, das leuchtet dem Verstande nicht ein, du bist ja ein verrückter Kerl; nur dadurch, daß du ein verrückter Träumer bist, kannst du eigentlich an solche Dinge glauben, denn nur ein verrückter Träumer kann heute wirklich einen Zusammenhang finden in demjenigen, was die Evangelien von dem Christus Jesus schildern!
Cite:
GA 167/1916-05-30/p044 · edition original