{"corpus":"steiner","locus":"GA 167/1916-05-30/p046","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Ich erzähle Ihnen wiederum nichts, was abstrakt ist, sondern hier liegt das Buch: «Der Narr in Christo Emanuel Quint», Roman von Gerhart Hauptmann, der enthält, was ich Ihnen jetzt mit ein paar Worten angedeutet habe. Es soll nicht gesagt werden, daß Gerhart Hauptmann nicht früher einigermaßen erhebliche Dramen und dergleichen geschrieben hat. Aber unsere Zeit ist reif, daß derjenige, den man den größten Dichter der Gegenwart nennt in vielen Kreisen, einen Schwachsinnigen verwendet, um einen Christus darzustellen! Ich weiß sehr wohl, daß diejenigen, die heute so zahlreich sind, kommen werden und sagen: Da verdammst du diesen «Narren in Christo» von Gerhart Hauptmann, weil du die Sache religiös oder philosophisch nimmst, weil du kein Verständnis hast für das rein Ästhetische. — Rein ästhetisch ist die Sache ein Machwerk! Und wenn ich schon eine solche Schilderung haben will, die ein schlechter Abklatsch der «Brüder Karamasow» ist von Dostojewski, dann lese ich lieber Dostojewski und rate auch jedem anderen, lieber Dostojewski zu lesen, wenn er solches, was in einem solchen Milieu ist, durchaus haben will, als einen solch schwachen Abklatsch des Dostojewski. Sogar bis in die Einzelheiten hinein erinnert manches an die «Brüder Karamasow», denn dieser Narr in Christo wird angeklagt, daß er einen Mord begangen haben soll — man erinnere sich daran bei den Brüdern Karamasow —, er ist unschuldig daran, er wird entlassen, er hält sich selbst für den Christus und wandert durch die Welt und klopft überall an, wo es ihm einfällt: bei Pastoren, bei Kardinälen, bei Bischöfen und so weiter, überall klopft er an, weil selbstverständlich die Leute den Christus annehmen sollen. Er wird natürlich überall hinausgeworfen, weil er für einen Narren gehalten wird. Und dann schließt das Buch pathetisch, nachdem geschildert wurde, wie er im Hause verschiedener Leute angeklopft hat, auch im Hause eines Lehrers, den er sogar von früher her kennt:","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Homo oeconomus","site_heading":null,"date":"1916-05-30","location":null,"word_count":304,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/167/1916-05-30/p046","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/167/1916-05-30/p046"}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}