{"corpus":"steiner","locus":"GA 167/1916-05-30/p060","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Sehen Sie, meine lieben Freunde, bis zu diesem Grade von Verworrenheit ist die Gegenwart gekommen, und bis zu diesem Grade von Hochmut in der Verworrenheit ist man gekommen, daß man das als epochemachende Leistung ansieht. Es ist wahrhaftig nicht so ohne Bedeutung zu wissen, daß Volksausgaben entstehen von Werken, in denen die Phantasie der Menschen in der Weise vergiftet wird, wie bei Gerhart Hauptmanns «Narr in Christo». Es ist wahrhaftig nicht gleichgültig, wenn das Denken der Menschen so konfus gemacht wird, wie es durch eine «Sprachkritik» oder dergleichen konfus gemacht wird. Das sind gewissermaßen solche Ausflüsse des Verstandes-Hochmuts, der sich entgegenstellt einem wirklichen Verständnis des Mysteriums von Golgatha, das für die Gegenwart so notwendig ist. Ich möchte sagen: Wie die Kreuzigung für den Christus selber eintreten mußte, so muß schon auch der Begriff des Christus, wie er in der Gegenwart in die Menschheit zieht, erst gekreuzigt werden. Und gekreuzigt wird er durch ein solches Buch, wie der «Narr in Christo Emanuel Quint» ist, von Gerhart Hauptmann. Freilich fühlt sich Gerhart Hauptmann so besonders gescheit, weil er darauf hinweist, wie Bischöfe, Pastoren, Amtsrichter und so weiter den Narren Quint hinausgeworfen haben, als er gekommen ist und gesagt hat, er sei Christus. Und dieser Gerhart Hauptmann fügt sogar elegisch hinzu, daß eventuell in diesem Narren wirklich der Christus sein könnte, und dann hätten ihn die Leute auch hinausgeworfen, und der Christus hätte nur nachsehen wollen. Aber, meine lieben Freunde, ich habe noch eine andere Meinung. Ich habe die Meinung: Wenn der wirkliche Christus probeweise sich irgendwie in einen Menschen begeben hätte und an der Tür des Gerhart Hauptmann geklopft hätte, während er seinen «Narren in Christo» geschrieben hat, so wäre die Türe vor seiner Nase zugeflogen und er herausgeworfen worden, während der Gerhart Hauptmann an seiner Weisheit im «Narren in Christo» geschrieben hat!","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Homo oeconomus","site_heading":null,"date":"1916-05-30","location":null,"word_count":301,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/167/1916-05-30/p060","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/167/1916-05-30/p060"}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}