Die Wesensglieder des Menschen im Leben zwischen Tod und neuer Geburt
Es ist eine bequeme, aber auch eine furchtbar gedankenlose Philosophie. Derjenige allerdings, welcher versucht, diese Philosophie einmal im konkreten Leben anzuwenden, der sieht, daß diese «Als-obPhilosophie» wenig taugt, selbst als Methode. Und solch einen Menschen, wie Fritz Mauthner, der eine Sprachphilosophie geschrieben hat und der alles auf Sprache zurückführt, den müßte man eigentlich unter dem Gesichtspunkt dieser «Als-ob-Philosophie» betrachten: als ob solch ein Mensch auch Geist haben könnte. Wenn man aber diesen Versuch macht, so taugt diese Methode nicht. Man bringt nicht heraus, daß er so betrachtet werden kann, als ob er Geist gehabt hätte; es läßt sich nicht anwenden. Wo kein Geist vorhanden ist, da läßt es sich nicht anwenden. - Sie wissen selbstverständlich, wie ich dies meine. Aber ich führe diesen Fritz Mauthner nur deshalb an, weil er zu denjenigen gehört, welche den ganzen Sinn der Geschichte überhaupt ableugnen und welcher es am evidentesten ausgesprochen hat vom Standpunkte des gegenwärtigen Materialismus, daß die Geschichte nie eine Wissenschaft sein kann. Er sagt: Wenn ein Regentropfen auf die Erde fällt, so kann man die Gesetze des Regentropfens finden naturwissenschaftlich, denn es fallen viele Regentropfen nach denselben Gesetzen. Da kann man die einzelnen Fälle miteinander vergleichen, und da kann man die Gesetze finden. - Das ist dasjenige, was gegenwärtig Philosophen glauben, daß es zu den einzelnen Gesetzen führt, wenn man viele Fälle beobachtet und sich immer dasselbe zeigt. Aber in der Geschichte geschehen die Dinge alle nur einmal, der Dreißigjährige Krieg nur einmal und so weiter; und daher ist die ganze Geschichte nur eine Folge von Zufällen für Fritz Mauthner. Zu solchen Behauptungen müssen die Menschen in der Gegenwart kommen, wenn sie den Geist in Wirklichkeit ableugnen; denn Geschichte wäre auch nur eine Folge von Zufälligkeiten, wenn nicht das gerade als Reales in der Geschichte wirkte, was wir jetzt aufgezeigt haben, was aus der geistigen Welt heraus wirkt und woran mitarbeiten die Menschen zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Wir weben gewissermaßen an dem, was hier auf der Erde geschieht zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Wir weben nur nach denjenigen Impulsen, die uns dann aus der geistigen Welt zukommen.
Cite:
GA 168/1916-02-18/p039 · edition original