Über Das Ereignis Des Todes Und Tatsachen Der Nachtodlichen Zeit
Ja, wenn man dieses Lebenstableau untersucht auf das hin, was es eigentlich ist, so muß man sagen: Es ist hineinverwoben alles das, was wir im Leben erlebt haben. Aber wie erlebt? - Indem wir dabei gedacht haben! Also alles das, was wir denkend, vorstellend erlebten, das steckt dadrinnen. Sagen wir, um auf etwas Konkretes einzugehen, wir haben im Leben mit einem anderen Menschen zusammengelebt, wir haben mit dem anderen Menschen gesprochen. Indem wir mit ihm gesprochen haben, haben sich seine Gedanken unseren Gedanken mitgeteilt. Wir haben Liebe von ihm empfangen, wir haben seine ganze Seele auf uns wirken lassen, all das innerlich durchlebt. Wir leben ja mit, wenn wir mit einem anderen Menschen leben. Er lebt und wir leben, und wir erleben etwas an ihm. Das, was wir an ihm erleben, das erscheint uns jetzt in dieses ätherische Lebenstableau hineinverwoben. Es ist dasselbe, an das wir uns erinnern. Denken Sie sich einmal den Moment, wo Sie vor zehn, zwanzig Jahren mit irgend jemand anderem etwas erlebt haben. Denken Sie sich, Sie erinnern sich daran, und Sie erinnern sich nicht so, wie man sich gewöhnlich im Leben erinnert, daß alles grau in grau verschwimmt, sondern Sie erinnerten sich so daran, daß die Erinnerung in Ihnen so lebendig wäre, wie das Erlebnis selber war, daß der Freund so vor Ihnen steht, wie er damals gestanden hat während des Erlebnisses. Im Leben hier sind wir oftmals recht traumhaft. Dasjenige, was wir herzhaft erleben auf dem physischen Plan, stumpft sich ab, das lähmt sich herab. Wenn wir durch die Pforte des Todes gegangen sind und es im Lebenstableau haben, da ist es nicht so herabgelähmt, da ist es mit all der Frische und Herzhaftigkeit vorhanden, in denen es vorhanden war während des Lebens. So webt es sich hinein in dieses Lebenstableau, so erleben wir es selber dann durch Tage.
Cite:
GA 168/1916-02-22/p017 · edition original