Über Das Ereignis Des Todes Und Tatsachen Der Nachtodlichen Zeit
Unser astralischer Leib, der bleibt uns auch so, wie er zunächst uns als irdischer astralischer Leib unterworfen ist, wie Sie wissen, noch lange Zeit hindurch nach dem Tode. Er bleibt uns deshalb, weil dieser Astralleib durchzogen wird von alledem, was nur irdisch-menschlich ist und was er nicht gleich aus sich herausbringen kann. Wir machen da eine Zeit durch, in der wir nach und nach erst ablegen können dasjenige, was das Erdenleben aus unserem Astralleib gemacht hat. Wir erleben von unseren Erlebnissen eigentlich im Grunde hier auf der Erde, auch insofern sie unseren astralischen Leib berühren, immer nur höchstens die Hälfte. Von dem, was irgendwie durch uns geschieht, erleben wir eigentlich wirklich nur die Hälfte. Nehmen wir ein Beispiel: Denken Sie einmal, Sie sagen jemandem - es ist bei guten Gedanken und guten Handlungen ebenso wie bei bösen Handlungen und bösen Gedanken, aber nehmen wir dieses Beispiel einer bösen Handlung -, Sie sagen jemandem ein böses Wort, durch das er sich gekränkt fühlt. Wir haben von dem bösen Wort nur dasjenige, was uns betrifft, wir haben in uns das Gefühl, warum wir dieses böse Wort gebraucht haben; das ist der Eindruck auf unsere Seele, wenn wir das böse Wort gebrauchen. Aber der andere, dem wir das böse Wort zufügen, der hat einen ganz anderen Eindruck, der hat gleichsam die andere Hälfte des Eindrucks, der hat das Gefühl des Gekränktseins. In ihm lebt wirklich diese andere Hälfte des Eindrucks. Das, was wir für uns durchlebt haben hier während des physischen Lebens, das ist das eine; das, was der andere durchlebt hat, das ist das andere. Nun denken Sie sich, alles dasjenige, was erlebt worden ist durch uns, aber außer uns, das müssen wir nach dem Tode, indem wir unser Leben nun rückwärts durchlaufen, wieder durchleben. Die Wirkungen unserer Gedanken, unserer Taten durchleben wir im Rücklauf. Also, wir durchleben unser Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt rückwärtslaufend. Im Ablegen des Ätherleibes ist ein Lebenstableau, bei dem wir das ganze Leben gleichzeitig haben. Das Zurückleben, das ist ein wirkliches Durchleben desjenigen, was wir angerichtet haben, im Rückwärtsgehen. Und wenn wir also rückwärtsgegangen sind bis zu unserer Geburt, dann sind wir reif geworden, auch von unserem astralischen Leib dasjenige abzulegen, was von ihm vom Irdischen durchtränkt ist. Dann geht das von uns weg, und mit diesem Ablegen des astralischen Leibes tritt für uns ein neuer Zustand ein. Der Astralleib hielt uns immer, möchte ich sagen, in unseren Erlebnissen mit der Erde zusammen. Dadurch, daß wir so durch unseren astralischen Leib durchgehen müssen, nicht träumend, aber indem wir irdische Erlebnisse zurückerleben, sind wir im Erdenleben noch drinnen; wir stehen noch drinnen. Jetzt erst, wenn wir den Astralleib - uneigentlich, aber man kann nicht anders sagen, da die Sprache kein Wort dafür hat - abgelegt haben, sind wir von dem Irdischen ganz frei geworden, jetzt leben wir drinnen in der eigentlich geistigen Welt.
Cite:
GA 168/1916-02-22/p022 · edition original