Über Das Ereignis Des Todes Und Tatsachen Der Nachtodlichen Zeit

GA 168/1916-02-22/p032 ·1916-02-22 · original (original)
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Eines muß ich noch erwähnen, weil es sich ausnimmt wie eine Ergänzung der ganzen Betrachtung, die wir angestellt haben. Hier in die physische Welt leben wir uns herein, indem wir zuerst ein dumpfes Bewußtsein als Kind noch haben, nur die Mutter erkennen und erst nach und nach die Menschen kennenlernen. Wir glauben, indem wir uns in die physische Welt hereinleben, daß wir immer wieder neue und neue Menschen kennenlernen. So ist es auch für unser physisches Bewußtsein. Wenn wir durch die Pforte des Todes gegangen sind, so haben wir eine wirkliche, eine reale Beziehung zu allen denjenigen Seelen, denen wir im Leben nahegetreten sind. Die treten wiederum auf vor unserem geistigen Blicke. Diejenigen Seelen, die uns nahegetreten sind im Leben und die vor uns durch die Pforte des Todes gegangen sind, wir können sagen, die «finden» wir. Das Wort ist für physische Verhältnisse geprägt, aber jenes erlebende Nahetreten von Seelen zu Seelen kann man bezeichnen mit einem Finden. Nur muß man sich dieses Finden der Seelen, die vor uns durch die Pforte des Todes gegangen sind, so vorstellen, daß man gewissermaßen in umgekehrter Weise an die Seelen herankommt, wie man hier an Menschen herankommt auf dem physischen Plan. Hier kommt man an Menschen heran, indem man ihnen zunächst äußerlich-physisch entgegentritt. Dann lernt man allmählich ihr Inneres kennen, ihr Inneres entwickelt sich ja erst aus unserem Einleben mit ihnen. Also das, was man innerlich an einem Menschen erlebt, entwickelt sich erst aus unserem eigenen Inneren heraus. Nachdem man selbst durch die Pforte des Todes gegangen ist und den Seelen, die vor uns durch die Pforte des Todes gegangen sind, entgegentritt, weiß man zunächst als erstes: Da ist die betreffende Scele. Man erfühlt sie, man weiß, sie ist da. - Aber man muß jetzt sein ganzes Inneres hingeben an das, was als erster Eindruck, als abstraktester Eindruck da ist. Hier muß man den Menschen auf sich wirken lassen; dort muß man sein Inneres hingeben, und man muß sich nun das Bild selber aufbauen, die Imagination. Das Imaginative, dasjenige, was man schauen kann, das muß man sich nach und nach aufbauen. Sie bekommen etwa eine Vorstellung von dem, wie die Erfahrung der Seele nach dem Tode ist, wenn Sie sich denken: Sie sehen das nicht, sondern Sie greifen es nur, und Sie bilden sich, indem Sie es nach und nach greifend umfassen, ein Bild. Sie bauen sich das Bild auf. So müssen Sie tätig, innerlich tätig sich das Bild der Seele, der Sie begegnen, aufbauen. Gewissermaßen wissen Sie: Jetzt begegne ich einer Seele. - Da hat sie noch nicht Geistgestalt! Welche Seele ist das? Das ist die Seele, zu der ich - das taucht jetzt auf in Ihrer eigenen Seele - die Empfindung des Sohnes zur Mutter gehabt habe. Jetzt fangen Sie an zu fühlen: Mit dieser Seele kann ich mich erleben. - Jetzt bauen Sie sich die Geistgestalt auf. Da müssen Sie tätig sein darinnen, und dann wird das zum Bilde. Und dadurch, daß Sie so die Geistgestalt zusammen aufbauen müssen, sind Sie mit dem Toten schon, bevor Sie die Geistgestalt aufgebaut haben, zusammen. So sind Sie zusammen mit allen, mit denen Sie im Leben zusammen waren, das heißt, Sie erleben sie in einer Welt, in der Sie sie finden müssen, indem Sie sich zum Schauen erwecken, so daß Sie sie anschauen. Da muß man tätig sein.

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Cite: GA 168/1916-02-22/p032 · edition original