Über Das Ereignis Des Todes Und Tatsachen Der Nachtodlichen Zeit

GA 168/1916-02-22/p036 ·1916-02-22 · original (original)
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Nun wird es vielleicht auch in Leipzig so etwas geben, aber die Leute gehen ja nicht mit offenen Augen im Kopfe herum, sondern mit verbundenen Augen durch die Welt. Aber in Hamburg in der Gemäldegalerie findet sich wirklich ein Gemälde, von dem Meister Bertram, aus der Mitte des Mittelalters, die Paradiesesszene darstellend. Da ist die Schlange auf dem Baum, so wie ich sie jetzt schilderte, richtig gemalt. Man kann das Bild dort sehen. Es ist von anderen Malern auch so gemalt worden. Was folgt daraus? - Daß die Leute selbst in der Mitte des Mittelalters dies noch gewußt haben, bis zu dem Grade gewußt haben, daß sie es gemalt haben. Das heißt, es ist gar nicht so lange her, daß die Menschen erst ganz auf den physischen Plan gedrängt worden sind. Und das, was uns heute erzählt wird als der Verlauf der Geistesgeschichte der Menschheit von der materialistischen Welt, das ist im Grunde genommen weiter nichts als ein äußerer Schwindel, weil man sich vorstellt, daß der Mensch immer so gewesen ist, wie er in den allerletzten Jahrhunderten erst geworden ist, während es gar nicht so lange her ist, daß er mit seinem alten Hellsehen in die geistige Welt hineingeschaut hat. Er mußte nur heraus, weil er unfrei war, und um die volle Freiheit und das Ich-Bewußtsein zu erhalten, mußte er heraus, und er muß wiederum hinein sich finden in die geistige Welt. Daher bereitet diese Geisteswissenschaft etwas Wichtiges, etwas Wesentliches vor: dieses Wieder-sich-Hineinleben in die geistige Welt. Und immer wieder und wiederum können wir uns vor die Seele führen, wie notwendig es ist, zu empfinden, zu fühlen, daß das Häuflein von Menschen, das heute mitten in der materialistischen Welt lebt und das durch sein Karma geführt wird zur Erfassung der wichtigsten Menschheitsaufgabe für die Zukunft, daß dieses Häuflein von Menschen durch sein Seelenleben Wichtiges, Wichtigstes zu vollführen hat. Ohne hochmütig zu sein, muß man sich eben vorführen, in aller Demut und Bescheidenheit, wie groß der Unterschied zwischen einer Seele ist, die in die geistige Welt sich allmählich hineinfindet, und all den äußerlichen Menschen, die heute keine Ahnung haben, aber namentlich keine Ahnung haben wollen von dem Geistigen. Es darf nicht bloß für uns werden zu einer jammervoll schmerzlichen Empfindung, sondern es muß für uns werden eine Empfindung, die uns anregt, immer weiter und weiter zu arbeiten, und treu zu arbeiten in der Strömung der Geisteswissenschaft, zu der wir durch unser Karma, unser Schicksal geführt worden sind.

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Cite: GA 168/1916-02-22/p036 · edition original