Karmische Wirkungen
Und ein weiteres ergibt sich, wenn man nunmehr gewissermaßen den Nachkommenden, den später durch die Pforte des Todes Gegangenen verfolgt in seinem Verhältnis, in das er nun eintritt, zu dem früher Gestorbenen. Da bemerkt man, daß vieles sich anders einrichter, je nachdem der Zeitunterschied ist zwischen den beiden Toten. Es ist nicht dasselbe, ob wir, wenn wir in die geistige Welt eintreten, dort einen Menschen finden, der mit uns zugleich gestorben ist, um diesen extremen Fall anzunehmen, oder der fünfzehn Jahre früher gestorben ist. Dadurch, daß der Betreffende eine gewisse Zeit in der geistigen Welt durchgemacht hat, daß er die Erlebnisse, die er da durchgemacht hat, nunmehr in seiner Seele, die wir antreffen, hat, dadurch wirkt er in anderer Weise auf uns, und dadurch wird in entsprechender Weise das karmische Band geknüpft, das durch andere Voraussetzungen nicht in derselben Weise geknüpft werden könnte. Wir müssen alles dasjenige, was wir in dieser Art mit dem uns Nahestehenden erleben, durchaus als in dem karmischen Verhältnisse begründet ansehen. Und wenn auch das ist schon öfter von mir gesagt worden - es Trauer und Schmerz nicht lindern kann, wenn man weiß, wie alles zusammengehört, was geschieht, wie alles zusammenwirkt, was geschieht, so muß doch gesagt werden, daß, von einem gewissen Gesichtspunkte aus, das Leben so überschaut erst seinen rechten Sinn bekommt. Denn es handelt sich darum, daß wir in einem Menschenleben, das wir durchleben zwischen dem Tod und der Geburt, all die Verhältnisse, in die wir hineingestellt sind, so entfalten, daß nicht nur dieses eine Leben zu seinem Rechte kommt, sondern daß gewissermaßen die Beiträge alle zu ihrem Rechte kommen, die wir zu leisten haben durch die folgenden Erdenleben für diese Erdenentwickelung. Dasjenige, was angefangen wird durch einen schmerzlichen Verlust eines Angehörigen oder eines Freundes oder eines sonst Nahestehenden, das zeigt sich in seiner Fortwirkung in dem nächsten Erdenleben. Und in einer gewissen Beziehung sind alle diese Wirkungen schon in ihren Ursachen drinnen enthalten. Kein Verlust tritt ein in das Menschenleben, der nicht in entsprechender Weise richtig uns hineinstellte in die Aufeinanderfolge der Erdenleben. Daraus wird uns im einzelnen Falle vielleicht nicht Schmerzlinderung erfließen, aber es wird uns möglich sein von diesem Gesichtspunkte aus, dem Leben Verständnis abzugewinnen.
Cite:
GA 168/1916-10-24/p006 · edition original