{"corpus":"steiner","locus":"GA 168/1916-10-24/p025","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"So der weise römische Philosoph Seneca. Unser Religionsmann findet, daß darin allerdings manches Wahre steckt; aber es interessiert ihn dies weniger. Dann macht er aufmerksam auf denjenigen Pessimismus, welcher dadurch zustande kommt, daß der Mensch mehr sich seinen Gefühlen übergibt. Dadurch kommt zum Beispiel, wie er meint, der Pessimismus des Buddhismus zustande: «Das Leben ist Leiden»; da wird hingeschaut auf das Leben, wird die Summe der Leiden und Schmerzen, der Übel genommen und auf der anderen Seite die Summe der Freuden, des Glückes. Das erstere ist größer, daher wird man Pessimist. Man betrachtet das Leben überhaupt als ein Übel. So haben ja auch Schopenhauer, so Eduard von Hartmann getan. Wiederum findet unser Religionsmann, daß die Leute viel Grund dazu haben; aber auch das interessiert ihn nicht weiter. Mehr interessiert ihn der ethisch begründete Pessimismus, denn von diesem sagt er: Der ist durchaus berechtigt, wenn man das Leben anschaut, ohne es durchdrungen zu wissen von dem, was er das «Reich Gottes» nennt, von dem, was er den Inhalt des religiösen Bekenntnisses nennt. Und da konstatiert unser Religionsmann zweierlei. Das eine ist, daß der Mensch die Forderung aufstellt, entweder im Kantschen oder im Schleiermacherschen Sinne verpflichtet zu sein, einem Sittengesetze zu folgen, einem Gesetze, das einen streng verpflichtet. Aber auf der anderen Seite ist der Mensch seiner Natur unterworfen, seinen Trieben, Neigungen und Begierden. Und nun konstatiert unser Religionsmann: Ganz überwinden kann der Mensch niemals diese Triebe und Begierden; aber dem Sittengesetz soll er folgen; dieses Sittengesetz stellt seine straffen Befehle. Da kommt unbedingt ein Konflikt heraus. Dieser muß da sein im Leben und ist da. Das ist berechtigter Pessimismus. - Man muß das Leben pessimistisch auffassen, wenn man es bloß vom Standpunkte der sittlichen Forderungen aus auffaßt. Das ist das Leben angeschaut vom Standpunkt der sittlichen Forderungen: wie der Mensch hingestellt ist zwischen diese sittlichen Forderungen und sein Naturleben. Aber auch wenn man einzelne sittliche Pflichten anschaut, dann merkt man, wie der Pessimismus begründet ist. Denn der Mensch, sagt dieser Religionsmann, fühlt sich gerade oftmals in entscheidenden Lebenslagen in sittliche Konflikte hineingestellt, und solche sittliche Konflikte führt unser Mann an für wichtige Persönlichkeiten.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Karmische Wirkungen","site_heading":null,"date":"1916-10-24","location":null,"word_count":352,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/168/1916-10-24/p025","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/168/1916-10-24/p025"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/168/1916-10-24/p025"}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}