Karmische Wirkungen
So ungefähr redet ein Religionsmann der Gegenwart. So reden viele. Und dann schwingt sich unser Religionsmann auf zu allerlei Erkenntnissen, grandiosen Erkenntnissen, wie zum Beispiel zu dieser: Da die Liebe das Höchste ist, ist Gott die Liebe. - Na gut, innerhalb von gewissen Grenzen ist ja das erstens wohl nicht neu, zweitens kann man damit einverstanden sein. Aber daß es sich handeln muß um ein Wesen, das liebt und das, weil es so stark liebt, genannt werden kann «die Liebe», das ist nicht gerade etwas, was unserem Religionsmann Schmerzen macht. Aber nun will er doch ein richtiges Christentum vertreten. «Gott ist die Liebe» bedeutet zunächst etwas sehr Unpersönliches, denn die Liebe als solche ist doch gewiß unpersönlich. Aber nun, das macht unserem Religionsmann gar keine besonderen Schwierigkeiten, denn er sagt: «Das Zentrum dieser Wirklichkeit ist eben Gott. ‹Gott ist Geist› und ‹Gott ist Liebe› ... In Wirklichkeit sind Geist und Liebe eins.» Man kann in Wirklichkeit dann alles als eins erklären, wenn man in dieser Weise vorschreitet in seinen Gedanken! «Denn die Liebe ist die höchste Form des geistigen Lebens.»
Cite:
GA 168/1916-10-24/p029 · edition original