Die Verbindung zwischen Lebenden und Toten

GA 168/1916-11-09/p011 ·1916-11-09 · original (original)
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Nun, es bleibt aber eine Verbindung nach dem Tode zwischen dem, was eigentliche menschliche Individualität ist, was sich getrennt hat von dem Ätherischen, und zwischen diesem Ätherischen, eine Verbindung, die wirklich eine Wechselwirkung bedeutet. Man bemerkt dieses am deutlichsten dadurch, daß man es mit geistiger Schulung dahin bringt, einen wirklichen Verkehr mit diesem oder jenem Toten zu haben. Dann kann eine bestimmte Art dieses Verkehrs darinnen bestehen, daß der Tote zunächst das, was er selber an uns herankommen lassen will, die wir noch hier sind in der physischen Welt, auf seinen Ätherleib überträgt; denn nur dadurch, daß er es auf seinen Ätherleib überträgt, gewissermaßen in seinen Ätherleib Einschreibungen macht, können wir in dem, was man Imaginationen nennt, solange wir hier im physischen Leibe sind, Wahrnehmungen von den Toten haben. Sobald man wirklich Imaginationen hat, so ist - lassen Sie mich diesen trivialen, allzu realistischen Ausdruck gebrauchen - der Ätherleib des Toten der Umschalter. Wir dürfen uns nicht vorstellen, daß man deshalb in weniger gemütvollen Beziehungen zu stehen braucht zum Toten, weil ein Umschalter da sein muß. Gerade so, wie ein Mensch, der uns in der Außenwelt entgegentritt, uns seine Gestalt vermittelt sein läßt durch das Bild, das er durch unsere Augen hervorruft in uns, so bedeutet auch diese Vermittelung durch den Ätherleib etwas ganz Ähnliches. Wir schauen gewissermaßen das, was der Tote an uns herankommen lassen will, dadurch, daß wir es auf dem Umwege durch seinen Ätherleib erlangen. Dieser Ätherleib ist außer ihm; aber er ist in einer innigen Beziehung zu diesem Ätherleibe, so daß er das, was in ihm lebt, diesem Ätherleibe einschreiben kann und wir es drinnen als Imaginationen lesen können. Allerdings, wenn derjenige, der geistig geschult ist, auf diese Weise durch einen Ätherleib mit einem Toten in Verbindung treten will, so gehört dazu, daß sich entweder im letzten Leben zwischen der Geburt und dem Tode oder aus vorhergehenden Inkarnationen Beziehungen angeknüpft haben, welche die Seele des hier noch Lebenden soweit ergriffen haben, daß die Imaginationen auf ihn einen Eindruck machen können. Das kann nur sein, wenn in einer ganz bestimmten, intensiven Weise für den Toten selber ein unmittelbares Gemütsinteresse da war. Gemütsinteressen müssen überhaupt die Vermittler sein zwischen den Lebenden und den Toten, wenn ein Verkehr stattfinden soll, ob er nun bemerkt wird oder nicht bemerkt wird - wir werden über den letzteren Fall gleich sprechen -, Gemütsinteressen solcher Art, daß wir wirklich etwas von dem Toten gewissermaßen in uns tragen, daß der Tote in einer gewissen Beziehung wenigstens ein Stück unseres eigenen Erlebens gebildet hat. Nur der geistig Geschulte kann in einer gewissen Beziehung sich einen Ersatz dafür schaffen. Er kann sich einen Ersatz schaffen dadurch - das erscheint zunächst äußerlich, kann aber durch die geistige Schulung in ein mehr Innerliches umgewandelt werden —, daß er zum Beispiel die Schrift oder irgend etwas anderes, worin die Individualität des Toten lebt, auf sich wirken läßt. Aber er muß eine gewisse Praxis sich erworben haben, mit einer Individualität, insofern sich diese Individualität in die Schrift hineinversetzt, in die Schrift hineinlebt, in Beziehung zu treten, oder er muß die Möglichkeit haben, sich mit regem Anteil in die Gefühle von Physisch-Überlebenden zu versetzen, teilzunehmen an ihrem Schmerz, an dem ganzen Anteil, den die anderen Überlebenden an dem Toten haben. Dadurch, daß er diese konkreten, von dem Toten in die lieben Angehörigen herüberfließenden, herüberlebenden und bleibenden Gefühle der Anteilnahme selber in seinen Anteil aufnimmt, dadurch kann er seine eigene Seele bereit machen, in den angedeuteten Imaginationen zu lesen.

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