{"corpus":"steiner","locus":"GA 168/1916-11-09/p016","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Nun wird es uns verständlich werden, wie solcher Einfluß der seelischen Welt auf uns ist, wenn ich wiederum zuerst mit einigen Worten berühre, wie sich dieser Einfluß dem geistig Geschulten darstellt, der imstande ist, Inspirationen aus der geistigen Welt zu empfangen. Er stellt sich ihm so dar, daß er zum Bewußtsein bringen kann diese Inspirationen nur dann, wenn er gewissermaßen etwas von dem Wesen, das ihn inspirieren will, selber in sich aufnehmen kann, etwas von den Eigenschaften, von der Lebenstendenz und Lebensrichtung dieses Wesens. Handelt es sich darum, daß der geistig Geschulte bewußte Beziehungen entwickeln soll, nicht bloß auf dem Umweg durch den Ätherleib, sondern in dieser unmittelbaren Art durch Inspirationen mit einem Toten, dann ist notwendig, daß er in seiner Seele noch mehr trägt als dasjenige, was durch das Interesse, durch den Anteil hervorgerufen werden kann. Der geistig Geschulte muß gewissermaßen, wenigstens für kurze Zeit, sich so verwandeln können, daß er in sich selber etwas annimmt von den Gewohnheiten, von der Art des Wesens, also sagen wir des Menschenwesens, mit dem er in Verkehr treten will. Er muß sich so einleben können, daß er sich sagen kann: Du nimmst so sehr dessen Gewohnheiten an, daß du das tun könntest in seinem Sinne, was er tun könnte, fühlen könnte, empfinden könnte, wollen könnte; auf das «könnte» kommt es an! Die Möglichkeit muß vorhanden sein. Man muß also intimer zusammensein können noch mit dem Toten. Dazu gibt es für den geistig Geschulten allerlei Mittel, wenn der Tote selber das zuläßt, nur muß man sich darüber klar sein, daß diejenigen Wesenheiten, welche dieser jetzt von uns seelische Welt genannten Welt angehören, wirklich zur Welt in einer ganz anderen Weise stehen, als wir Menschen hier im physischen Leib, und daß es daher ganz besondere Bedingungen des Verkehres mit diesen Wesen, also auch ganz besondere Bedingungen gibt des Verkehres mit den Toten, solange sie in ihrem astralischen Leibe sind, als astralische Wesen also nur. Namentlich auf einzelnes kann aufmerksam gemacht werden. Das, was wir Menschen hier für unser Leben entwickeln im physischen Leibe durch diese oder jene Beziehungen zu anderen Menschen, die gerade durch das Erdenleben auftreten, das gewinnt eine andere Art des Interesses für die Toten. Wir entwickeln hier auf Erden Sympathien, Antipathien, und seien wir uns ganz klar darüber: solche Sympathien und Antipathien, wie wir sie, solange wir im physischen Leibe leben, entwickeln, stehen unter dem Einflusse unseres eben durch den physischen Leib und seine Verhältnisse vermittelten Daseins. Sie stehen unter dem Einflusse unserer Eitelkeit, unseres Egoismus. Seien wir uns klar darüber, wieviel wir entwickeln an bestimmt gearteten Beziehungen zu diesen oder jenen Menschen aus Eitelkeit, aus Egoismus heraus, aus anderen Dingen, die eben hier auf unserem physischen Erdenleben beruhen. Wir lieben, wir hassen die Menschen. Wir kümmern uns gewiß wenig zumeist über die Gründe unseres Liebens und Hassens, unserer Sympathien und Antipathien, ja wir vermeiden es oft, uns über diese Sympathien und Antipathien viel zu bekümmern, aus dem einfachen Grunde, weil etwas zumeist recht Unangenehmes herauskommen würde. Wenn wir der Tatsache nachgehen würden, die darinnen sich ausspricht, daß wir diesen oder jenen Menschen zum Beispiel nicht lieben, da würden wir uns manchmal so viel an Vorurteilen, an Eitelkeit, an anderen Eigenschaften noch zuschreiben müssen, daß wir uns fürchten, solche Dinge uns zuzuschreiben. Und so bringen wir uns nicht zur Klarheit, warum wir diesen oder jenen Menschen hassen. Aber mit dem Lieben ist es ja schließlich oftmals ganz ähnlich. Dadurch aber entwickeln sich Interessen, Sympathien und Antipathien, die eigentlich wirklich nur eine Bedeutung haben für unser Erdenleben. Aber aus alldem, was sich so als Interesse entwickelt, handeln wir, aus alldem heraus richten wir unser Leben ein.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Die Verbindung zwischen Lebenden und Toten","site_heading":null,"date":"1916-11-09","location":null,"word_count":604,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/168/1916-11-09/p016","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/168/1916-11-09/p016"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/168/1916-11-09/p016"}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. 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